Die Gesellschaft der Freund_innen von Ulises Carrión

Evelyn Taocheng Wang, Perfect Slander, 42 × 59,4 cm, Tinte auf Aquarellpapier, 2015

Koordiniert von Arnisa Zeqo

Je m’appelle Ulises
et toi comment t’appelles-tu?

Die Gesellschaft der Freund_innen von Ulises Carrión macht das Werk und die Taktiken des mexikanischen Künstlers Ulises Carrión (1941–89) zu ihrem Ausgangspunkt, um kulturelle Strategien und Praktiken an der Schnittstelle von Literatur, Performance, Konzeptkunst und Leben zu erkunden. Sie versucht der Forschung und dem Nachdenken über Kunst und Kultur und den Geschichten, die auf ungelesenen Seiten zirkulieren, neue Wege zu bahnen und hält daher regelmäßige Treffen mit Künstler_innen, Kurator_innen, Wissenschaftler_innen und Fans ab. Dabei geht es nicht so sehr um eine Diskussion von Carrións Werk, vielmehr zielen die Treffen darauf ab, die politische Vorstellungskraft der Teilnehmer_innen im Sinne des Künstlers herauszufordern.

In den 1950er Jahren begann Ulises Carrión seine künstlerische Laufbahn in den literarischen Zirkeln Mexikos und verließ anschließend das Land, um in den 1960ern in Frankreich und England Literatur zu studieren. In den frühen 1970er Jahren ließ er sich in Amsterdam nieder, wo er seine persönlichen Beziehungen frei leben konnte und begann, sich als Künstler neu zu erfinden. Er bezeichnete sich selbst als „wetback“, womit er eine abschätzige Bezeichnung für illegale mexikanische Einwanderer in den USA aufnahm, und wechselte zugleich in seinen Schriften die Sprache – vom Spanischen ins Englische, Niederländische und Französische. Eine Kombination dieser Sprachen lässt sich sowohl in seinen Arbeiten wie auch in seinen Tagebüchern finden. Einige sagen, Ulises Carrión sei tatsächlich mehrere Carrións. Im Laufe der Jahre veränderte er seine künstlerischen Praktiken, verschob sein Engagement weg von der Literatur und widmete sich stattdessen der Performance, Künstlerbüchern, Archiven, Mail Art, Popkultur und Theorie, wobei er jedoch stets seinem präzisen Interesse für kulturelle Strategien und für das Alltagsleben treu blieb. 1975 eröffnete er die Galerie-Buchhandlung Other Books and So in Amsterdam, in der er in unregelmäßigen Abständen Performances und Präsentationen veranstaltete. Er beschäftige sich regelmäßig mit guten Manieren und Gerüchten (Good Manners und Rumors). 1984 brachte er die mexikanische Schauspielerin Lilia Prado nach Amsterdam, wo diese am von Carrión organisierten Lilia Prado Superstar Filmfestival teilnahm. Seine Beschäftigung mit kulturellen Strategien und Kommunikationstaktiken fußte auf seinem transnationalen Netzwerk unterschiedlicher Akteure und Akteurinnen. Er stellte die Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen dem künstlerischen Werk und der tatsächlichen Organisation und Distribution dieses Werks?

Wie Carrión ist auch die Gesellschaft an der Begegnung mit Bucharbeiten (bookworks), Gerüchten, dem Plagiieren, Kaugummi, verstreuten Archiven, neuen Wegen Bücher zu machen, Wetterberichten, Seifenopern, Diebereien, Gummistempeln, Spiegelsonetten, erratischen Lüsten, Registraturen, Plastikblumen, Alphabeten, Alltagsidiomen, geheimen Alphabeten, Trios und Boleros, Performances, Stars und Disseminationen interessiert.

Alle Veranstaltungen der Gesellschaft der Freund_innen von Ulises Carrión sind der Öffentlichkeit frei und unentgeltlich zugänglich.

Gepostet in Öffentliche Programme
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