Das Parlament der Körper: Gordon Hookey: Summoning Time. Painting & Politikill Transition in MURRILAND!
mit Gordon Hookey, Johannes Fabian, Ali Moraly, Vivian Ziherl und Hendrik Folkerts

JUN
10
Buchpräsentation
20–21:30 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, Kassel
Als Livestream verfügbar
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Ausgehend von den Werken Gordon Hookeys in Kassel und Tshibumba Kanda Matulus in Athen, diskutieren Hookey, Vivian Ziherl, die Kuratorin von Frontier Imaginaries, und der Anthropologe Johannes Fabian über Historienmalerei als Prozess des Dekolonialisierens; den Auftakt bildet eine musikalische Darbietung des Geigers Ali Moraly.

Hookeys monumentaler Gemäldezyklus MURRILAND! (seit 2015) beschreibt die Geschichte seiner Heimat Queensland in Australien von der präkolonialen bis in unsere Zeit. Er seziert dabei rezipierte Versionen der Geschichte und setzt sich mit nicht-indigenen Narrativen auseinander.

MURRILAND! geht auf einen Vorschlag des Kunst- und Forschungsprojekts Frontier Imaginaries zurück, Tshibumba Kanda Matulus Geschichte von Zaïre (1973-74) als Referenzwerk für eine Geschichte Queenslands zu betrachten. Im künstlerischen Dialog mit Tshibumbas gewaltigem Zyklus aus 101 Gemälden nahm Hookey eine Serie monumentaler, zehn Meter langer Leinwände in Angriff, die vor schillernden historischen, mythischen und volkstümlichen Erzählungen sprudeln.

Die Veranstaltung ist zugleich die Buchpremiere von Summoning Time: Painting and Politikill Transition in MURRILAND!, das Materialien rund um das erste Gemälde der Serie versammelt, parallel zu dessen Präsentation auf der documenta 14. Es enthält Hookeys Quellenmaterial, ein Essay des Aborigines-Historikers Michael Aird, ein Gespräch zwischen Gordon Hookey, der Kuratorin Vivian Ziherl von Frontier Imaginaries und documenta 14 Kurator Hendrik Folkerts sowie einen Dialog zwischen Gordon Hookey und dem Anthropologen Johannes Fabian, der Tshibumbas Geschichte von Zaïre in Auftrag gegeben und dokumentiert hat. Das Buch ist eine Koproduktion zwischen Griffith University, Frontier Imaginaries, documenta 14 und dem Van Abbemuseum.

Gordon Hookey, MURRILAND! (2016), Öl auf Leinwand, 2 × 10 m (Detail), © Gordon Hookey/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, courtesy Gordon Hookey und Milani Gallery, Brisbane, Foto: Sam Cranstoun

Johannes Fabian hat an der University of Chicago promoviert und ist Professor emeritus der Kulturanthropologie an der Universität Amsterdam. Davor lehrte er an der Northwestern University, der Wesleyan University und der National University of Zaire in Lubumbashi. Er hatte zahlreiche Gastprofessuren in den USA und Europa und war unter anderem Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, am Getty Center for the History of Art and the Humanities, Santa Monica, dem Stanford Humanities Center, Stanford, und dem Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), Wien. Weitere Auszeichnungen: Honorary Fellow am Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland (2002), Honorary Visiting Professor am University College, London (2008), Ehrenmitglied der European Association of Social Anthropology (2009), T. H. Huxley Memorial Medal and Lecture, Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland (2010), Ehrenmitglied des African Studies Center, University of Leiden. Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit beschäftigte er sich mit religiösen Bewegungen, Sprache, Arbeit und Volkskultur in der zairischen Bergwerksregion Shaba (1966/67, 1972-74, 1985, 1986). In seinen theoretischen Werken und Rezensionen griff er Fragen der Epistemologie und Anthropologiegeschichte auf. Sein aktuelles Interesse gilt Fragen zu virtuellen ethnografischen Archiven. Er ist Autor der Bücher Time and the Other: How Anthropology Makes Its Object (1983, dritte Auflage, 2014), History from Below (1990), Power and Performance (1990), Language and Colonial Power (1986, 1991), Time and the Work of Anthropology (1991), Remembering the Present. Painting and Popular History in Zaire (1996), Moments of Freedom. Anthropology and Popular Culture (1998), Out of Our Minds: Reason and Madness in the Exploration of Central Africa (2000) Anthropology with an Attitude. Critical Essays (2001), Memory Against Culture. Arguments and Reminders (2007), Ethnography as Commentary. Writing from the Virtual Archive (2008), und Talk about Prayer. An Ethnographic Commentary (2015).

Hendrik Folkerts, Kurator der documenta 14, war von 2010 bis 2015 Curator of Performance, Film, and Discursive Programs am Stedelijk Museum in Amsterdam. Er hat Kunstgeschichte an der Universität Amsterdam studiert, mit den Schwerpunkten zeitgenössische Kunst und Theorie, feministische Praxis und Performance. Von 2009 bis 2011 war Folkerts Koordinator des Kuratorenprogramms am De Appel Arts Centre in Amsterdam. Seine Texte werden in Journalen und Zeitschriften wie Artforum International, South as a State of Mind, Mousse Magazine, The Exhibitionist, Metropolis M, Art & the Public Sphere und diversen Katalogen veröffentlicht. Folkerts ist Mitherausgeber von The Shadowfiles #3: Curatorial Education (2013), Facing Forward: Art & Theory from a Future Perspective (2014) und der Zeitschrift Stedelijk Studies #3: The Place of Performance (2015). Im Oktober 2017 geht er als Dittmer Curator of Modern and Contemporary Art an das Art Institute of Chicago.

Gordon Hookey wurde 1961 in Cloncurry, Queensland, geboren. Er lebt und arbeitet in Brisbane. Hookey gehört zum Volk der Waanyi und verortet seine Kunst an der Schnittstelle zwischen den Kulturen von Aborigines und Nicht-Aborigines. Er attackiert offen das Establishment und klagt unsere derzeitigen politischen Repräsentanten an. Sein stilistischer Ansatz zeichnet sich durch besondere Lebendigkeit aus und ist vor allem für beißende Satire auf die politische Landschaft Australiens, seine Führung und Abgeordneten bekannt. Hookey kombiniert figürliche Darstellung, ikonische Symbole, couragierte comicartige Texte und eine leuchtende Farbpalette. Mit dieser charakteristischen Bildsprache hat er einen unverwechselbaren und sofort wiedererkennbaren Stil entwickelt. Hookeys Sichtweise kommt aus einer divergenten, aktivistischen Haltung – sein Werk stellt Hierarchien infrage, spießt den Status und die Integrität der „Elite“ auf und will den Marginalisierten und Unterdrückten Mut machen. Hookey ist, neben Künstlerkolleg_innen wie Richard Bell, Vernon Ah Kee und Jennifer Hard, zentrales Mitglied des in Brisbane ansässigen Indigenenkollektivs proppaNOW.

Ali Moraly ist Geiger, Komponist und Autor. Er wurde in Damaskus geboren, wo er bei Evgeny Loginov Geigenunterricht erhielt, zuerst an der Solhi Al-Wadi Musikschule und später an der Hochschule für Musik und Theater in Damaskus. Anschließend studierte er bei Claire Bernard und Roger Gemser in Lyon sowie bei Nachum Erlich an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Er lebt in Mannheim.

Vivian Ziherl ist eine Kritikerin und Kuratorin aus Australien, die in Amsterdam lebt und arbeitet. 2015 gründete sie das Kunst- und Forschungsprojekt Frontier Imaginaries. Davor arbeitete sie bei If I Can’t Dance, I Don’t Want to Be Part of Your Revolution, leitete zusammen mit Natasha Ginwala die kuratorische Plattform Landings, organisierte mit Hendrik Folkerts im Stedelijk Museum Amsterdam Performance-Programme und gab mehrere Bücher heraus, darunter Lip Anthology (MacMillan/Kunstverein, 2013). Vivian Ziherl promoviert derzeit in Curatorial Studies an der australischen Monash School of Art Design and Architecture.

Gepostet in ­­­Öffentliche Programme
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