Polytechnion, Nationale Technische Universität Athen (NTUA) und Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA), Prevelakis-Halle

Polytechnion, Nationale Technische Universität Athen (NTUA) und Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA), Foto: Mathias Völzke

Das Polytechnion Athen gehört zu den ältesten Hochschuleinrichtungen Griechenlands. Zudem ist es ein wichtiger symbolischer und historischer Ort des griechischen Widerstands im 20. Jahrhundert. Am 14., 15. und 16. November 1973 verbarrikadierten sich Studierende in der Hochschule. Sie begannen Radiosendungen auszustrahlen, in denen sie die Bevölkerung Athens zum Widerstand gegen die Militärdiktatur aufriefen. Am Abend des 17. November durchbrach ein AMX-30-Panzer das Haupttor und drang auf Befehl der Junta in den Vorhof ein. Viele Menschen wurden während der anschließenden Ereignisse getötet, und der Aufstand wurde beendet, doch war er der Anstoß zum Sturz der Militärdiktatur im folgenden Jahr.

Drei führende Teilnehmer_innen am Aufstand und der Besetzung des Polytechnion (Dionysis Mavrogenis und Giorgios Oikonomou) und der Law School (Titika Saratsi) 1973 kamen während der ersten Tage des von der documenta 14 später so benannten „Kontinuums“ an den Ort zurück und berichteten von ihren Erlebnissen. Dieser Begriff und dieses Ethos stammen aus der Partitur des 1968 entstandenen Werks Epicycle von Jani Christou und bildeten den experimentellen Rahmen für die Arbeitssitzungen von Künstler_innen, Kurator_innen, dem Team der documenta 14 und Gästen, durch die die Ausstellung in Athen und Kassel Gestalt annahm. Der Prozess begann am 28. März 2016 und wurde seither mithilfe vieler individueller Energien vorangetrieben. Zuvor war die minimale, aber wirkungsvolle Renovierung des Prevelakis-Saales des Rektorats der Hochschule der Bildenden Künste Athens von dem Architekten Aristide Antonas durchgeführt worden.

Im August 1933 fand das vierte Treffen des CIAM (Congrès internationaux d’architecture moderne) an Bord der Patris II statt, die von Marseille nach Athen unterwegs war und zwischen den Ägäischen Inseln kreuzte. Unter den Teilnehmer_innen befand sich die Avantgarde der Moderne: Alvar Aalto, Cornelis van Eesteren, Charlotte Perriand, Ferdinand Léger, Sigfried Giedion, Le Corbusier und Josep Lluís Sert. Der Kongress endete mit einer gefeierten Ausstellung am Athener Polytechnion; später verfasste die Gruppe die Charta von Athen, die einen neuen Ansatz in funktionaler Stadtplanung definierte. Von diesen Ereignissen inspiriert, arbeitet Rainer Oldendorf mit Studierenden und Professor_innen aus Athen, Thessaly, Besançon und Kassel an einer Ausstellung, um die vom CIAM 4 seinerzeit hier veranstaltete Präsentation Die funktionale Stadt und die standardisierende DIN-Norm einer Überprüfung zu unterziehen. Daneben ist im Polytechnion eine Arbeit von Pope.L zu sehen sowie, neben dem Prevelakis-Saal, eine von Sokol Beqiri gepflanzte Eiche, gepfropft mit den Ästen einer Eiche in Kassel.

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