Collective Exhibition for a Single Body

Collective Exhibition for a Single Body, Performance, Archäologisches Museum Piräus, documenta 14

Collective Exhibition for a Single Body wurde von Pierre Bal-Blanc, einem der Kuratoren der documenta 14, in Zusammenarbeit mit dem griechischen Choreographen Kostas Tsioukas sowie den Performern und Tänzern Myrto Kontoni und Tassos Koukoutas entwickelt. Wie in einer anatomischen Studie wird ein Körper in seine Einzelteile zerlegt. Jedes Teil, jedes Körperglied, jeder Muskel, jedes Organ wird zum Medium einer Aktion unter der Leitung des Kurators und des Choreographen und von einer Auswahl der Künstler_innen der documenta 14, die in verschiedenen künstlerischen Disziplinen tätig sind, geschaffen. Die vorgeschlagenen Gesten werden in Partituren übersetzt und von drei Tänzer_innen aufgeführt. Dies geschieht inmitten der Museumsbesucher_innen und wird auf aleatorische Weise ständig wiederholt.

Partituren von Pierre Bal-Blanc, Marie Cool Fabio Balducci, Yael Davids, Maria Eichhorn, Anna Halprin, Maria Hassabi, David Lamelas, Prinz Gholam, Ashley Hans Scheirl, Kostas Tsioukas, Annie Vigier & Franck Apertet (les gens d’Uterpan), Lois Weinberger und Artur Żmijewski (2017)

Collective Exhibition for a Single Body, Performance, Archäologisches Museum Piräus, documenta 14, Foto: Stathis Mamalakis

Collective Exhibition for a Single Body, Performance, Archäologisches Museum Piräus, documenta 14, Foto: Stathis Mamalakis

Collective Exhibition for a Single Body, Performance, Archäologisches Museum Piräus, documenta 14, Foto: Stathis Mamalakis

Collective Exhibition for a Single Body, Performance, Archäologisches Museum Piräus, documenta 14, Foto: Stathis Mamalakis

Collective Exhibition for a Single Body, Performance, Archäologisches Museum Piräus, documenta 14, Foto: Stathis Mamalakis

Collective Exhibition for a Single Body
Pierre Bal-Blanc, Athen, August 2015
(Partitur basierend auf einer früheren Version aus dem Jahr 2011)

Ein Körper wird in seine Einzelteile zerlegt, wie in einer anatomischen Studie.

Jedes Teil (Körperglied, Muskel oder Organ) wird zum Medium einer Aktion unter der Leitung eines Supervisors und von verschiedenen eingeladenen Autor_innen geschaffen. Die Autor_innen können dieselben Körperglieder, Muskeln, Körperteile oder Organe (Arme, Rumpf, Finger, Beine, Genitalien, Augen, usw.) und deren Funktionen (Sprechen, Drücken, Schlucken, Spucken, usw.) verwenden; der Supervisor sollte jedoch darauf achten, dass der gesamte Körper verwendet wird und eine möglichst große Vielfalt an Aktionen durchgeführt wird. Die Autor_innen besprechen sich nicht untereinander. Der Supervisor ist für die Festlegung der Kombination der Gesten verantwortlich. Jede Autorin muss eine Geste oder eine Aktion (einfach oder komplex) festlegen und in eine Partitur umsetzen. Jede Aktion sollte umkehrbar sein. Gesten oder Aktionen können das normative Verhalten des Körpers in der Öffentlichkeit unterlaufen, ihr Ziel muss aber sein, den perversen Charakter der Norm selbst darzustellen, die die Gesellschaft dem Körper auferlegt.

Jede Partitur sollte bereits als unabhängige Einheit existieren oder als solche konzipiert werden; ihre Dauer oder Wiederholung sollte nicht zu viel Zeit einnehmen, damit die Dauer der anderen Partituren nicht überschritten wird (werden diese selbstständig aufgeführt, wie es in dem Projekt unter gewissen Umständen möglich ist, kann die Aktion unbegrenzt durchgeführt werden). Die Anzahl der Autor_innen ist nicht begrenzt; je mehr Autor_innen jedoch teilnehmen, desto schwieriger wird es, sich alle Gesten einzuprägen, so dass dann für die Darstellung dieser Gesten qualifizierte Personen nötig sind. Die Abfolge der Gesten, aus denen Collective Exhibition for a Single Body besteht, sollte nicht nur einmal dargestellt werden, sondern mindestens einmal während jeder Aufführung wiederholt werden. Jede Performerin, dessen Körper als Medium für das Projekt dient (Tänzer_in, Modell, Schauspieler_in oder Einzelperson) muss in der Lage sein, der Partitur aus dem Gedächtnis zu folgen. Gesten oder Aktionen sollten für jeden leicht darzustellen sein. Bei Amateurdarsteller_innen kann die Anzahl der Partituren jedoch begrenzt werden. Amateurdarsteller_innen können so einen Auszug aus der Ausstellung auswählen und die gewählten Partituren nach ihren Vorstellungen in einer alternativen Reihenfolge anordnen.

Wenn Collective Exhibition for a Single Body in einem Innenraum oder unter freiem Himmel öffentlich von einer unbegrenzten Anzahl bezahlter professioneller Darsteller_innen oder Amateurdarsteller_innen (Tänzer_in, Modell, Schauspieler_in, usw.) aufgeführt wird, sollte die Aufführung die bestehende Umgebung entweder berücksichtigen oder ein Gegenstück dazu bilden; sie kann innerhalb festgelegter Parameter stattfinden oder einem vorgegebenen Plan oder Ablauf folgen. In jedem Fall sollte die Aufführung inmitten der Zuschauer_innen in aleatorischer Reihenfolge stattfinden; bei jeder Aufführung sollte der Supervisor sicherstellen, dass das Tempo aleatorisch bleibt, die Auftritte nicht vorbereitet sind und die Aufführung ständig wiederholt wird.

Das Projekt soll in einem Anatomischen Theater oder einer vergleichbaren Einrichtung uraufgeführt oder vorgestellt und kommentiert werden. Diese besondere öffentliche Aufführung umfasst so viele Personen, die die einzelnen Gesten bedächtig darstellen, wie Autor_innen mitgewirkt haben. Jedes Mitglied der Gruppe, die in einer Reihe, im Kreis oder auf andere Weise aufgestellt ist, führt der Reihe nach seine Geste vor. Abschließend führt ein Mitglied jeden Geschlechts die gesamte Reihe von Gesten vom Anfang bis zum Ende vor (der komplette Gruppe steht es frei, die Abfolge der Gesten ganz oder teilweise in unterschiedlichen Geschwindigkeiten darzustellen, während sie nach und nach ihre Kleidung wieder anziehen, falls sie unbekleidet sind, und sich schließlich unter das Publikum mischen).

Personen, die die verschiedenen Gesten oder Aktionen erlernt haben, können Collective Exhibition for a Single Body ganz oder teilweise, bekleidet oder unbekleidet, aufführen, gegen eine Gebühr, falls es sich um eine Beauftragung durch Dritte in öffentlichen Innenräumen oder auf öffentlichen Außenplätzen handelt, oder alternativ, wann immer sie möchten, auf freiwilliger Basis. Was die „Premiere“ anbelangt, können Performer_innen die Gesten oder Aktionen entweder vollständig und/oder der Reihe nach oder gleichzeitig mit anderen, die alternativ eine einzelne Geste von den jeweiligen Autor_innen aufführen, darstellen; in diesem Fall können die Kombinationen prinzipiell länger dauern. In Fällen, wo die Partitur der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, können die Teilnehmer_innen sie nach ihren Wünschen verändern, in Form einer Verunreinigung der Gesten.

Collective Exhibition for a Single Body wird auch in Form einer allgemeinen Partitur vorgetragen, die auch eine allgemeine Erläuterung des Projekts enthält. Die Ausstellung besteht aus einer Reihe von Partituren für die einzelnen Gesten oder Aktionen, die von der Autorin in eine feste Reihenfolge klassifiziert werden, die aber dennoch offen für andere Kombinationen bleibt. Die Partitur kann schriftliche, optische oder zeitbasierte Notation beinhalten. Jede Geste oder Aktion kann als eine separate Performance aufgeführt werden, bei der dann Informationen zum Autor und zum Kontext der gesamten Ausstellung, aus der sie jeweils stammt, zur Verfügung stehen sollten. Jede Performance von Collective Exhibition for a Single Body kann später entweder von den teilnehmenden Performer_innen oder umsonst von jedermann wieder aufgeführt werden, wobei in beiden Fällen Informationen zu den Autor_innen und dem Kontext, in dem die Ausstellung konzipiert wurde, erhältlich sein sollte.

Die Anzahl von Collective Exhibitions for a Single Body ist unbegrenzt; jede Ausstellung sollte, jedoch, so viel wie möglich in der Auswahl der Autor_innen variieren, die die Ausstellung in Form einer veröffentlichten, für jeden zugänglichen Partitur dokumentieren sollten.

Die erste Präsentation von Collective Exhibition for a Single Body wurde im Rahmen der documenta 14 realisiert und vom 6. April bis 16. Juli 2017 freitags bis sonntags zwischen 12 und 14: 30 Uhr im Archäologischen Museum Piräus aufgeführt. Vom 8. Juni bis 17. September 2017 werden alle Partituren zusammen mit Material, das mit der Performance in Verbindung steht, im Museum für Sepulkralkultur in Kassel präsentiert.

Kuratiert von Pierre Bal-Blanc mit Unterstützung durch Eleni Riga und Lou Forster. In Auftrag gegeben durch die documenta 14 und koproduziert von der Kadist Foundation und Kontakt: The Art Collection of Erste Group and Erste Foundation.

Gepostet in Notizen am 29.08.2017
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