documenta 14 stellt institutionelle Partner und Ausstellungsorte in Athen vor

Die documenta 14 gründet sich in Athen und Kassel auf verschiedenen wichtigen institutionellen Partnerschaften. Jede dieser individuellen Beziehungen mit den jeweiligen Institutionen—und den Menschen, die sie ausmachen—mündet in einer spezifischen Programmarbeit, Recherche, und gemeinsamen Projekten. Die Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen wendet sich hin zu einer öffentlichen Sphäre die ausschlussfrei und definiert durch Begegnungen und Möglichkeiten ist—eine öffentliche Sphäre, in Raum und Zeit.

In ihrer vierjährigen Vorbereitungszeit hat sich die documenta 14 schrittweise in Athen etabliert—und wird nun sichtbar, hörbar und anderweitig greifbar durch eine Vielzahl von Stimmen, die das Continuum der Ausstellung während der 100 Tage Laufzeit tragen. Räume und Plätze der documenta 14 in Athen umfassen Museen, Kinos, Theater, Bibliotheken, Archive, Schulen, Fernsehen und Radio, universitäre Auditorien, öffentliche Plätze, Straßen, Clubs, Parks und Wege sowie Wohnhäuser—kurzum: all das, was die Stadt in ihrer Dichte, Vielfalt und seltsamen Schönheit einschließt.


Ein Großteil der Ausstellung der documenta 14 verteilt sich auf die folgenden vier Institutionen:

  • Athener Konservatorium (Odeion Athinon)

Das weithin als Odeion Athinon bekannte Athener Konservatorium ist das einzige bestehende Gebäude eines ansonsten nicht realisierten Städtebauplans für das Athener Kulturzentrum, das von dem Architekten Ioannis Despotopoulos 1959 im Rahmen eines Wettbewerbs entworfen wurde. Das Projekt war eines der überzeugendsten Vorhaben der modernen griechischen Architektur: Despotopoulos plante ein Nationaltheater, ein Kongresszentrum, ein Museum, eine Bibliothek und ein Freilufttheater in der Nähe des Stadtzentrums. Das Athener Konservatorium wurde 1871 von der Athener Musik- und Drama-Gesellschaft als Musikhochschule gegründet. Damals wurde nur an zwei Instrumenten musikalisch ausgebildet, der Flöte und der Gitarre, was den apollinischen und dionysischen Prinzipien der Ästhetik entsprach. Despotopoulos berief sich auf den Gitarrenhals als Inspiration für den Entwurf des Gebäudes.

In der Ausstellung der documenta 14 im Odeion Athinon spielt der explizit mystische und modernistische griechische Komponist Jani Christou eine zentrale Rolle. Zu Beginn der Konzeption der documenta 14 in Athen lieferte Christous Begriff des „Kontinuums“ den experimentellen Begriffsrahmen für die Arbeitssitzungen von Künstler_innen, Kurator_innen und dem Team der documenta 14. Seine Vorstellung, dass „Musik still sein kann“, und seine Methode der „Metapraxis“ sind für eine Vielzahl von weiteren Komponist_innen wie Pauline Oliveros, dem Scratch Orchestra von Cornelius Cardew und einer neuen Generation von Künstler_innen relevant, die an diesem Ausstellungsort zu sehen sind.

Ein weiterer Aspekt der Partnerschaft zwischen der documenta 14 und dem Odeion Athinon ist der Prozess der Restaurierung des EMS Synthi 100, eines seltenen Analogsynthesizers, den die Electronic Music Studios in London 1971 in limitierter Auflage produzierten und den das Zeitgenössische Musikforschungszentrum in Athen (KSYME), später erwarb. Für die documenta 14 werden in der Athener Konzerthalle Megaron vier Auftragskompositionen auf dem Instrument aufgeführt, die eine Verbindung zwischen der mittlerweile antiquierten Maschine und einer neuen Generation griechischer und internationaler elektronischer Musiker_innen herstellen.

  • Benaki-Museum

Das Benaki-Museum wurde 1930 von dem Sammler Antonis Benakis gegründet. Benakis, Sohn einer bedeutenden Familie der griechischen Diaspora, schenkte dem griechischen Staat seine gesamte Sammlung. Das daraus entstandene Benaki-Museum ist noch heute eines der wichtigsten Museen des Landes. Seine Sammlung besteht aus mehr als 500.000 Objekten, die das gesamte Spektrum der griechischen Kunst und Kultur umfasst und durch Arbeiten islamischer, präkolumbischer, afrikanischer und chinesischer Kunst ergänzt wird.

Die documenta 14 tritt mit vier Abteilungen des Museums in einen Dialog: dem Benaki-Museum für Islamische Kunst, der Galerie Nikos Hadjikyriakos-Ghika, dem Mentis-Zentrum, das sich dem Erhalt traditioneller Textiltechniken widmet, und dem Annex in der Pireos-Straße 138, im vormals industriellen Rouf-Viertel. Die Ausstellungsräume mit der architektonisch nach innen ausgerichteten Struktur und dem weitläufigen Innenhof bieten die Gelegenheit, nicht erzählte, unbeendete oder auf andere Weise überschattete Geschichten und neue Museologien zu erkunden, die von den dort ausgestellten Künstler_innen mit neuen und historischen Arbeiten vorgestellt und angestoßen werden, und damit einen großen Teil der Ausstellung der documenta 14 ausmachen.

  • EMST – Nationales Museum für Zeitgenössische Kunst

Das Nationale Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST) sammelt griechische und internationale Kunst aus der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. 2014 zog es in sein dauerhaftes Zuhause in der ehemaligen Fix-Brauerei in der Syngrou-Straße ein. Entworfen wurde das Brauereigebäude 1961 von dem visionären griechischen Architekten Takis Zenetos in Zusammenarbeit mit Margaritis Apostolidis. 1984 stellte die Brauerei ihre Produktion ein, und das Gebäude wurde ab 1994 durch die Attico Metro S. A. umgenutzt: Der nördliche Flügel wurde abgerissen, um einer U-Bahn-Station Platz zu machen, die im Jahr 2000 eröffnet wurde. Nachdem das EMST 2002 einen Pachtvertrag über fünfzig Jahre unterzeichnet hatte, wurde ein Wettbewerb für den Umbau der Fabrik in ein Museum ausgeschrieben, den das Büro 3SK Styliandis Architects gewann. In Zusammenarbeit mit Kalliope Kontozoglou, I. Mouzakis & Associates Architects und Tim Ronalds Architects wurden auch die östliche Fassade und das Innere des Gebäudes zu Ausstellungsräumen umgestaltet.

Die documenta 14 fragt, was (oder welche Art von Bürger_innen) diese Fabrik noch zu produzieren vermag. Dabei begleitet uns die Figur des Diogenes: Der Zyniker, Kosmopolit und selbst ernannte Weltbürger dient uns als Vorbild, das wir im Erdgeschoss auf einem Kupferstich von Nicolas Poussins Gemälde Landschaft mit Diogenes finden. Bekannt für seine Sparsamkeit, verzichtet Diogenes sogar auf seinen Becher, nachdem er beobachtet, wie ein Junge zum Trinken seine bloßen Hände benutzt.

  • Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA) – Pireos-Straße („Nikos-Kessanlis“-Ausstellungshalle)

Die ASFA, die auf die 1836 gegründete Königliche Kunsthochschule zurückgeht, verlegte 1992 die Bereiche Bildende Kunst, Kunsttheorie und Kunstgeschichte in die Räume der ehemaligen Textilfabrik der Sikiarides-Familie.

Die ASFA war in der griechischen Hauptstadt der erste institutionelle Partner der documenta 14. Von Athen lernen bedeutet hier die Erkundung kreativer Bildung und pädagogischen Experimentierens. Seit dem Herbst 2016 leitet Arnisa Zeqo im Rahmen von „eine Erfahrung“ (das öffentliche Vermittlungsprogramm der documenta 14) das Seminar Elective Affinities, das Studierende aus verschiedenen Bereichen einlädt, sich mit den Künstler_innen der documenta 14 auseinanderzusetzen. Die documenta 14 Ausstellung in den Galerien reicht über Athen hinaus und erforscht Arbeiten aus Ciudad Abierta oder der „Offenen Stadt“, die außerhalb Valparaísos in Chile gegründet wurde, aus Rabindranath Tagores Shantiniketan-Schule auf dem bengalischen Land und aus Matanzas, dem „Athen Kubas“ – um nur drei der wichtigsten Schulen und Orte des Lernens zu nennen, die die documenta 14 in den Blick nimmt.


Andere Institutionen und Spielorte, welche die Ausstellung der documenta 14 zu Gast haben:

  • Megaron. Die Athener Konzerthalle

Das monumentale Megaron konnte 1991 dank der langwierigen Bemühungen einer Gruppe von Personen des öffentlichen Lebens, Musiker_innen und Musikliebhaber_innen, eingeweiht werden. Die Konzerthalle ist mit Firmen-, privaten und staatlichen Geldern gebaut und seither auch betrieben worden. Die Kampagne zu ihrer Vollendung führte Christos Lambrakis, der nach dem Fall der Militärjunta und der Wiederherstellung der Demokratie entscheidend an der Gestaltung des politischen Klimas in Griechenland mitwirkte. Zwar verursachen Unterhalt und Betrieb der Athener Konzerthalle hohe Kosten, doch fand Griechenland durch sie Anschluss an das internationale Musikgeschehen. Bis heute zieht sie ein diverses Publikum unabhängig von Alter, politischer Überzeugung oder gesellschaftlicher Herkunft an. Seit 2017 ist das Megaron Eigentum des griechischen Staats und damit der Öffentlichkeit.

Während der einhundert Tage der documenta 14 statten die Figuren des Künstlers Apostolos Georgiou dem Megaron einen Besuch ab. In der leeren Vorhalle mit ihren schweren, goldenen und verzierten Lüstern, die nur bei Konzerten erleuchtet sind, ist eine Reihe seiner Gemälde zu sehen. Ihre Protagonist_innen verstricken sich dort in die paradoxen und bedrohlichen Gesellschaftsrituale der jüngsten Vergangenheit – und vielleicht auch der surrealen Gegenwart.

Ein Teil des umfangreichen Musikprogramms im Rahmen der documenta 14 wird in den Konzertsälen des Megaron Mousikis zur Aufführung kommen. Bedeutende Werke wie etwa Henryk Góreckis Symphonie Nr. 3, Op. 36 (Symphonie der Klagelieder) und Frederic Rzewskis The People United Will Never Be Defeated! werden dort ebenso zu hören sein wie Stücke von herausragenden zeitgenössischen Komponist_innen, darunter Julius Eastman, Éliane Radigue oder Jakob Ullmann. Joaquín Orellana Mejia bringt mit der Sinfonía del Tercer Mundo (Symphonie aus der Dritten Welt) sein neuestes Werk zu Uraufführung. Darin finden über viele Jahre durchgeführte Experimente mit Chören und Orchestern sowie mit seiner Erfindung der utilés sonores (Klangutensilien) zur Vollendung. Die Klangutensilien sind in den Tagen um die Uraufführung im Megaron zu besichtigen.

Das Musikprogramm im Megaron richtet seine Aufmerksamkeit auf Kompositionen, in denen politische und gesellschaftliche Umbrüche widerhallen, und auf Komponist_innen, die mit ihren Werken direkt auf solche entscheidende Ereignisse Bezug nehmen. In Ergänzung zum regulären Programm des Megarons soll die Reihe ungekannte Hörweisen vorstellen – eine Anregung, abweichenden und zugleich prägenden Mechanismen des Klangs zu begegnen. Zusätzlich zum Konzertprogramm werden in den Foyers und in zahlreichen weiteren Übergangsbereichen räumliche Interventionen stattfinden, die sich mit den architektonischen Merkmalen und Strukturen des Hauses befassen. Diese Eingriffe stellen die „idealen“ musikalischen Bedingungen infrage, die Einrichtungen wie das Megaron für gewöhnlich zu erfüllen suchen. In Umkehrung der Norm rücken sie dabei Raum und Architektur als hauptsächliche Elemente des akustischen Ausdrucks in den Vordergrund.

  • Parko Eleftherias, Städtisches Kunstzentrum Athen
    Museum des demokratischen Widerstands gegen die Diktatur

Das Städtische Kunstzentrum Athen im Parko Eleftherias (Freiheitspark) und das Museum des anti-diktatorischen und demokratischen Widerstands sind Teil eines im 19. Jahrhundert angelegten Gebäudekomplexes ehemaliger Militärbaracken, dessen jüngste Geschichte mit der repressiven Militärjunta verbunden ist, die Griechenland von 1967 bis 1974 regierte. Während der mitunter auch als Obristenregime bezeichneten Militärjunta war das heutige Kunstzentrum, das nun von der documenta 14 in Anspruch genommen wird, das Hauptquartier der Militärpolizei. Das dahinter liegende Museumsgebäude diente als Gefängnis und Foltereinrichtung. Beide Gebäude sind noch im Besitz des griechischen Verteidigungsministeriums.

Diese beiden Orte repräsentieren verschiedene Herangehensweisen an die Geschichte, an Erinnerung und kollektives Trauma. Das Museum des demokratischen und anti-diktatorischen Widerstands wird von der Vereinigung der verfolgten und exilierten Widerstandskämpfer_innen betrieben. Das Museum verfügt kaum über Finanzierung und wird ehrenamtlich von damaligen Opfern betrieben, die ihre persönlichen Erfahrungen wiedergeben. In den Innenräumen, die im Originalzustand der 1960er und 1970er Jahre erhalten wurden, wird dokumentarisches und Archivmaterial gezeigt.

Das Gebäude des Städtischen Kunstzentrums Athen hingegen wurde in den 1980er Jahren in eine Galerie und einen typischen „White Cube“ umgestaltet, womit der Ort gewissermaßen „enthistorisiert“ wurde. Der griechische Architekt Andreas Angelidakis wurde von der documenta 14 eingeladen, die Architektur des Städtischen Kunstzentrums Athen umzugestalten und daraus einen Ort für das "Parlament der Körper" zu schaffen (wie der Titel der Öffentlichen Programme der documenta 14 lautet), der später zum Ausstellungsort umfunktioniert wird. In einem Akt „investigativer Restaurierung“ führte Angelidakis einige minimale, jedoch entscheidende Eingriffe durch. Erstens wurden die verkleideten Wände teilweise aufgeschnitten, wodurch die Steinmauern zum Vorschein kamen und die materielle Geschichte des Gebäudes sichtbar wurde. Zweitens ist eine direkte Verbindung zu dem dahinter liegenden Museum geschaffen worden, indem die hintere Tür des Gebäudes wieder geöffnet wurde. Drittens verhängte Angelidakis die Fenster mit schwarzen Vorhängen, die als „trauernde Witwen“ oder Leichentücher zwischen den Gebäuden fungieren. Schließlich konzipierte er mit Demos eine weiche Architektur, die aus 69 Beton imitierenden Blöcken besteht, die sich auf unterschiedliche Weise zusammenfügen und umbauen lassen. Diese „Ruinen“ reorganisierten die innere Struktur des Raums. Das Gebäude war während der letzten acht Monate und bleibt für die Dauer der Ausstellung das Zuhause des Parlaments der Körper, ein Ort für öffentliche Debatten und kollektive Performance. In diesem Zusammenhang fragen wir: Was heißt es, öffentlich zu sein? Wer kann Geschichte erzählen? Wer darf sprechen? Kann das Museum gegen sein eigenes koloniales und patriarchales Sichtbarkeitsregime genutzt werden? Das Museum des anti-diktatorischen und demokratischen Widerstands wird ebenfalls zu einem Ort der Ausstellung und zeigt einen Film des syrischen Kollektivs Abounaddara.

  • Agora von Athen – Odeion des Agrippa

Das Zentrum der attischen Demokratie und Justiz bildete die Agora, ein Versammlungsplatz für die Bürger der Stadt. In der Mitte der antiken Agora in Athen stand das Odeion des Agrippa, das Sitzplätze für 1.000 Besucher_innen bot. Große Statuen auf hohen Sockeln, die Giganten und Tritonen zeigten, schmückten den Ort und sind bis heute erhalten, wenn auch nur in Form von Fragmenten: als Torso, Geste, Symbol. Die zwei Künstler von Prinz Gholam eignen sich diese antiken Formen an und schreiben ihre Geschichte neu, indem sie eine Bewegungspartitur zwischen den Statuen und ihren eigenen Körpern inszenieren.

  • Archäologisches Nationalmuseum

Das Museum, 1866 geplant, um die im 19. Jahrhundert zutage geförderten archäologischen Funde unterzubringen, besitzt eine der größten Antikensammlungen Griechenlands. Ihre Exponate stammen aus der Zeit vom 6. Jahrhundert vor Christus bis in die Spätantike. Die neoklassizistische Fassade des Gebäudes wurde von Ernst Ziller entworfen, unter König Georg I. ein bedeutender Architekt imperialer Bauten. Als in den 1940er Jahren Nazi-Truppen in Athen einmarschierten, entschlossen sich dort die Archäolog_innen, antike Gegenstände zu schützen, indem sie diese wieder vergruben (was weltweit auch zahlreiche ihrer Kolleg_innen taten). Auf diese Handlung bezieht sich Daniel Knorr in seinem (nicht realisierten) Vorschlag, die Skulptur Knabe mit Hund aus der Sammlung des Archäologischen Nationalmuseums für die Dauer der Ausstellung zu vergraben. Als zweites Vorhaben stellt er eine hydraulische Presse auf, um ein Buch zu drucken, in dessen Exemplare jeweils Fundstücke aus den Straßen Athens zwischen die Seiten gepresst werden – eine Archäologie des Heute, bewahrt für die Zukunft.

  • Archäologisches Museum Piräus

Dieses bedeutende Museum birgt einige extrem seltene Ausstellungsstücke, darunter berühmte Bronzestatuen aus dem 4. Jahrhundert vor Christus und der Stein von Salamis, in den verschiedene im antiken Griechenland gebräuchliche Maßeinheiten eingraviert sind. Der Stein von Salamis ermöglichte es griechischen Handwerkern aus unterschiedlichen Regionen, ihre Messinstrumente aufeinander abzustimmen, um auf einer Baustelle zusammenarbeiten zu können.

Collective Exhibition for a Single Body ist eine Arbeit, die Pierre Bal-Blanc, documenta 14 Kurator, zusammen mit dem griechischen Choreografen Kostas Tsioukas und den Tänzer_innen Myrto Kontoni und Anastasio Koukoutas entwickelt hat. Wie in einer anatomischen Studie wird ein Körper in seine Einzelteile zerlegt. Jedes Teil, jedes Glied, jeder Muskel, jedes Organ wird zum Medium einer Handlung, die durch den Kurator und den Choreografen angeleitet und von einer Auswahl von Künstler_innen der documenta 14 ausgeführt wird. Die vorgeschlagenen Gesten werden in Partituren übersetzt und von drei Tänzer_innen aufgeführt. Dies geschieht inmitten der Museumsbesucher_innen und wird in aleatorischer Reihung ständig wiederholt.

  • Archimedous 15

Werkstätten, Tavernen, Großhandelsläden und Wohnhäuser für Geringverdiener_innen prägen das Industrieviertel Moschato; dort liegt auch der Pireos-Straßen-Campus, der zur Hochschule der Bildenden Künste Athen gehört. Ein paar Blocks weiter teilen sich zwei Räume dieselbe Adresse. Im ersten, einer ehemaligen Druckerei mit hohen Decken und Betonestrich, hat Otobong Nkanga ihre Seifenproduktion untergebracht, die auf neuen Rezepten mit Einflüssen aus verschiedenen Regionen Afrikas, des Nahen Ostens und Südeuropas basiert. Direkt daneben, in einer früheren Taverne, inszeniert Nikhil Chopra eine dreitägige Performance, bei der er eine Wandzeichnung des offenen Meeres anfertigt, bevor er sich zu einer Fahrt durch Osteuropa nach Deutschland aufmacht. Stopps für weitere Performances mit öffentlichen Zeichnungen und kollaborativen Veranstaltungen unterbrechen die Tour. Bei der Ankunft in Kassel findet der Zyklus seinen Abschluss.

  • Aristoteles’ Lykeion

Zwischen dem Athener Konservatorium (Odeion) und dem Sarogleio-Gebäude (Offizierskasino der griechischen Streitkräfte) liegen die Grundmauern des antiken Lykeion, das 335 vor Christus von Aristoteles gegründet wurde und dessen Schwerpunkt auf dem peripatetischen Lernen lag. Das altgriechische Wort περιπατητικός (peripatêtikos, zum Gehen neigend) beschreibt Aristoteles’ zentrale Vorstellung vom Lernen als einer Bewegung, in der Körper und Geist aufeinander abgestimmt sind. Bewegung als Klang spielt auch in der Installation von Postcommodity an dieser archäologischen Stätte eine Rolle. Hochpräzise Lautsprecher aus dem militärischen Bereich – deren eigentlicher Verwendungszweck als Disziplinierungsmittel hier unterlaufen wird – übertragen und verbreiten Geschichten über Vertreibungen, unvermeidliche Reisen und Transformationsprozesse: manche gesungen, andere gesprochen, einige auch durch bloßes Schweigen.

  • Attis

Das 1985 von Theodoros Terzopoulos in Delphi gegründete Attis-Theater widmet sich der Aufführung klassischer griechischer Tragödien. Attis arbeitet mit internationalen Festivals und Theatern zusammen, um der Tragödie als dramatische Form neue Geltung zu verschaffen. Es war der ausdrückliche Wunsch des Autors Jannis Kontraphouris (1968–2007), dass das kurz vor seinem Tod vollendete Stück ocasta (2007) unter der Regie von Terzopoulos auf die Bühne gebracht würde. Als Meditation über menschliches Leiden dringt das Stück an die Ränder der Sprache und die letzten Reste von Bedeutung vor. Der Protagonist ist hier die Sprache selbst, die doch selbst die Spuren einer ruhmreichen Vergangenheit in eine Welt gegenwärtiger Grausamkeiten trägt.

  • Avdi-Platz

Die Seidenfabrik von Athanassios Douroutis – deren Gründung den Auftakt zur Industrialisierung Athens bildete – prägte das Arbeiterviertel Metaxourgeio („Seidenfabrik“) und gab dem zentralen Platz seinen Namen. Auch heute noch zeichnet sich dieser Stadtteil durch eine große Dichte an Produktionsstätten aus: Metall- und Holzwerkstätten, Druckereien und Autowerkstätten, manche in Betrieb, andere stillgelegt. Die ehemalige Seidenfabrik, eines der ältesten klassizistischen Gebäude der Stadt und nunmehr Sitz der Städtischen Galerie, beschäftigte einst in der Mehrzahl Frauen – die weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Männerlohns erhielten. In Anspielung auf diese historischen Relikte und (nach wie vor aktuellen) Arbeitsbedingungen und Ungleichheiten greift Sanja Iveković Ludwig Mies van der Rohes Denkmal für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in modifizierter Form auf: als öffentliche Bühne für Arbeiter_innenrechte, Frauenrechte und Klassenkampf in Metaxourgeio.

  • Byzantinisches und Christliches Museum (Garten)

Das Museum, das die staatliche Sammlung religiöser Kunst und Artefakte aus dem 3. bis zum 20. Jahrhundert ausstellt, ist heute in der Villa Ilissia untergebracht. Gebaut wurde dieser Winterpalast von dem griechischen Architekten Stamatis Kleanthis für Sophie de Marbois-Lebrun, Herzogin von Piacenza, nachdem sich die in Philadelphia geborene Philhellenin 1837 in Athen niedergelassen hatte. Die Gärten, die sich an die Villa anschließen, erstrecken sich zu den einstigen Ufern des Flusses Ilisos, der heute trockengefallen ist oder unterirdisch verläuft. Doch im 5. Jahrhundert war das Gebiet, das damals Froschinsel hieß, noch Sumpfland. Hier bieten wir der Träumerei des kürzlich verstorbenen Fluxus-Künstlers Benjamin Patterson Raum. Er war auf Einladung der documenta 14 nach Athen gekommen und hatte den Wunsch, ein „Akustisches Graffito“ aus Froschstimmen zu schaffen.

  • Dionysiou Areopagitou

Entlang dem Südhang der Akropolis erstreckt sich die Straße Dionysiou Areopagitou, die nach Dionysius Areopagita benannt und Fußgänger_innen vorbehalten ist. Sie verläuft in Ost-West-Richtung und beginnt unweit des Hadrianstors, von wo aus sie zur Akropolis und antiken Agora führt. Erstmals 1857 kartiert, wurde sie zwischen 1951 und 1957 von Dimitris Pikionis als Teil seines landschaftsbaulichen Projekts für die Akropolis und den Philopappou Hügel umgestaltet. Die Änderung erfolgte vermittels einer „sentimentalen Topografie“ von Gehwegen (durchweg befestigt mit kompliziert arrangierten Steinkompositionen) die jenen Wegen folgten, die bereits in der Gegend existierten. Am 9. April machen sich die Wanderreiter_innen des The Athens–Kassel Ride: The Transit of Hermes auf den Weg – mit einer Prozession, die auf halber Höhe der Dionysiou Areopagitou beginnt und die Pferde und ihre Reiter_innen feiert, ehe diese zu ihrem 3.000 Kilometer langen, etwa 100 Tage dauernden Ritt nach Kassel aufbrechen. Das Projekt ist von Tschiffely’s Ride inspiriert, einer Reise des schweizerisch-argentinischen Reiters Aimé Tschiffely von Buenos Aires nach New York auf dem Rücken zweier argentinischer Criollo-Pferde (1925–28). The Athens–Kassel Ride wurde von Ross Birrell konzipiert und in Zusammenarbeit mit Peter van der Gugten, Begründer des Annual Tschiffely Memorial Ride, entwickelt. Der Ritt wird von Tina Boche, Peter van der Gugten, Zsolt Szabo und David Wewetzer im Sinne der Rekener Charta durchgeführt.

  • Elpidos 13, Viktoria-Platz

Von der Ladenfront des Hauses Nr. 13 in dieser Fußgängerzone ist es nicht weit zum Viktoria-Platz, einer unauffälligen Wegkreuzung, an der Menschen zahlloser verschiedener Nationalitäten, gerade in Griechenland angekommen oder auf der Durchreise, aufeinandertreffen. Im Frühjahr 2016 schaffte es der Viktoria-Platz in die Nachrichten, als dort ein improvisiertes Flüchtlingslager errichtet wurde – bewohnt vor allem von Menschen, die vor der Gewalt in Afghanistan oder Syrien geflohen waren. Vor Kurzem eröffnete an der Nordwestecke des Platzes ein irakisch-kurdisches Restaurant, und im Café des Poètes nebenan wird über die Filme gesprochen, die in diesem einst schicken Viertel gedreht wurden, oder man bekommt die Geschichte aus dem Bürgerkrieg 1946 bis 1949 erzählt, als auf die Statue von Theseus’ Befreiung der Hippodameia in der Mitte des Platzes geschossen wurde. In diesem vom Zusammenkommen unterschiedlichster Menschen geprägten Areal versucht der Künstler Rick Lowe gemeinsam mit Initiativen vor Ort Verbindungen herzustellen und Dialoge zu initiieren, die Kunst und Kultur mit den Kleinbetrieben und Unterstützungsnetzwerken der Einwanderer- und Flüchtlingsgruppen zusammenführen.

  • Epigraphisches Museum

Dieses 1885 gegründete Museum beherbergt eine Fülle von Inschriften, die vom 8. Jahrhundert vor Christus bis in die spätrömische Epoche datieren: Finanzaufstellungen, Verträge, Erlasse, heilige Gesetze, Begräbnisstelen und antike Graffiti. Darunter befinden sich Texte, die abwechselnd von links nach rechts und von rechts nach links geschrieben sind, ein Verfahren, das als Bustrophedon bezeichnet wird. Wie im Namen anklingt, erinnert es an einen Ochsen, der einen Pflug zieht und am Ende jeder Furche umdreht.

  • Erster Athener Friedhof

Auf dem Ersten Athener Friedhof, angelegt im Jahr 1837, haben einige der bekanntesten Politiker_innen, Schriftsteller_innen und Künstler_innen Griechenlands ihre letzte Ruhestätte im Schatten von Pinien und Zypressen gefunden. Unter den vielen Mausoleen finden sich bedeutende Beispiele klassizistischer Bildhauerkunst, darunter das von Ernst Ziller gestaltete Grabmal von Heinrich Schliemann sowie die berühmte Skulptur I Koimomeni (Das schlafende Mädchen) von Giannoulis Chalepas. Der Friedhof ist auch einer der Schauplätze der von Pope.L für die documenta 14 entwickelten Arbeit Whispering Campaign.

  • Fylasion 42

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Mentis-Zentrum zur Erhaltung traditioneller Textiltechniken in der Polyfimou 6 hat Aboubakar Fofana eine einstige Kleinbrauerei in Beschlag genommen. Dort stehen nun Indigo-Bottiche, die Teil seiner Werkstatt für die documenta 14 sind. Fofana arbeitet seit Ende 2016 mit dem Mentis-Zentrum zusammen, das als eine Dependance des Benaki-Museums die von der Familie Mentis gestiftete Textilfabrik beherbergt (wo auch heute noch Posamenten hergestellt werden). In einer im Hof des „lebendigen Museums“ aufgestellten Indigo-Küpe färbte Fofana Baumwollgarne in verschiedenen Indigo-Schattierungen, um sie anschließend von Mentis-Maschinen zu Bändern verweben zu lassen. Diese wurden für die Lesebändchen verwendet, die dem documenta 14 Reader eingefügt sind.

  • Galerie Nikos Hadjikyriakos-Ghika (Benaki-Museum)

Dieses Haus, das einst dem modernen Künstler Nikos Hadjikyriakos-Ghika gehörte, ist ein typisches Beispiel für Athens Zwischenkriegsarchitektur. Die Villa war seinerzeit ein Treffpunkt Athener Intellektuellen und oft in internationalen Magazinen zu sehen. Als Besucher_in kann man heute Ghikas Atelier im fünften Stock besichtigen, in dem einige seiner prägnantesten Bilder ausgestellt sind. Während der documenta 14 wird erstmalig eine Auswahl an Silbergelatineabzügen von seinen Reisen in Griechenland während der 1930er Jahre aus der Sammlung des Benaki-Museums präsentiert. Weitere ständige Ausstellungen widmen sich der neueren griechischen Zeitgeschichte, etwa der Katastrophe von Smyrna 1922 oder der Zeit der Militärdiktatur von 1967 bis 1974. Eine kleine Auswahl von Bildern aus dem Besitz der Nationalen Kunstgalerie in Tirana bringt eine alternative Moderne zum Vorschein: den sozialistischen Realismus, der während der kommunistischen Ära der Nachkriegszeit im Nachbarstaat Albanien propagiert wurde. Die Werke bieten einen Kontrapunkt zu der vornehmlich an griechischen Themen ausgerichteten Sammlung.

  • Gennadius-Bibliothek

Im Jahr 1922 bot der Diplomat und Bücherfreund Joannes Gennadius seine 26.000 Bände umfassende Bibliothek der Amerikanischen Schule für Klassische Studien von Athen an. Das Gebäude, in dem sich die Bibliothek befindet, wurde von den amerikanischen Architekten Van Pelts und Thompson entworfen und auf einem von der griechischen Regierung zur Verfügung gestellten Grundstück erbaut. Die Einweihung fand 1926 statt. Die Sammlung, die zu den wichtigsten in Griechenland zählt, folgt dem Hellenentum von der Antike über das Osmanische Reich und die griechische Revolution von 1821 bis zu den wichtigsten Aspekten des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens Griechenlands im 20. Jahrhundert. Man findet dort eine einzigartige Reihe von Reisetagebüchern aus dem 19. Jahrhundert sowie Schenkungen der Nobelpreisträger Giorgos Seferis und Odysseas Elytis, des Schriftstellers und Stadthistorikers Elias Petropoulos und des deutschen Archäologen Heinrich Schliemann. Während der documenta 14 beherbergt die Bibliothek das von dem Kurator Igo Diarra initiierte Projekt Learning from Timbuktu, an dem Künstler_innen aus dem Netzwerk teilnehmen, das Diarra als Gründer und Direktor des Kunstraums La Medina in Bamako, Mali, aufgebaut hat. Einen erzählerischen Kontrapunkt hierzu bietet ein Film von Ross Birrell, der der von Charles Rennie Mackintosh entworfenen Bibliothek der Glasgow School of Art gewidmet ist, die 2014 durch einen Brand zerstört wurde. In den friedlichen Gärten der Gennadius Bibliothek wird ebenfalls eine Bibliothek entstehen: 145 lithographische Kalksteinplatten tragen jedes einzelne Wort eines Tagebuchs, das einst als Buch veröffentlicht wurde und nun zum Verschwinden verdammt ist. Wie Mikhail Bulgakov einst sagte: „Manuskripte brennen nicht.” Was geschrieben steht, wird bleiben.

  • Griechisches Filmarchiv („Tainiothiki“)

Diese Institution verdankt ihre Gründung im Jahr 1950 dem Enthusiasmus des Athener Filmkritikerverbands, doch erst in den 1960er Jahren fand die gemeinnützige Kulturinstitution zu ihrer heutigen Form. Angeführt wurde die Initiative von Aglaia Mitropoulou, deren enge Zusammenarbeit und Austausch mit der Cinémathèque française entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Archivs hatte. Auch heute pflegt das Griechische Filmarchiv und Filmmuseum diese Beziehungen und widmet sich der Erforschung, Sammlung, Bewahrung und Förderung des griechischen und internationalen Filmerbes. Das Griechische Filmarchiv, das auf eine lange Tradition der Vorstellung, Diskussion und Analyse von Filmen und anderen relevanten Dokumenten zurückblickt, zeigt Premieren und Sondervorstellungen von Arbeiten der auf der documenta 14 in Athen vertretenen Filmemacher_innen.

  • Isadora & Raymond Duncan-Zentrum für Tanzforschung

Isadora Duncan kam 1903 zusammen mit ihrer Familie nach Athen. Sie entschloss sich, zu bleiben und einen Ort ins Leben zu rufen, an dem die Erfahrung des Tanzes fließend in den Alltag übergehen würde. Das nach dem Muster einer antiken mykenischen Villa errichtete Gebäude ist einer der wenigen Spielorte weltweit, die eigens für den Tanz geschaffen wurden. Auch einhundert Jahre später wird es Duncans Intention immer noch gerecht. Dort findet sich ihre utopische Vision eines Raums verwirklicht, in dem sich der Tanz fortlaufend und fließend mit dem Alltagsleben verbindet. Der Athener Choreograf und Tänzer Kostas Tsioukas zeigt seine Arbeit Romantic Outburst One, in der sich Schüler_innen der Einrichtung als freiwillige Darsteller_innen einbringen.

  • Karaiskaki-Platz, Piräus

Der zentrale Platz im Hafen von Piräus verdankt seinen Namen einem der berühmtesten Anführer des Griechischen Unabhängigkeitskriegs, General Georgios Karaiskakis. Bekanntheit erlangte der Platz im Jahr 1922, als viele der griechischen Flüchtlinge aus Kleinasien dort Unterschlupf fanden. Etwa zur selben Zeit fungierte er auch als Zufluchtsort für viele namhafte Rembetes (Rembetiko-Interpreten), unter ihnen der große Markos Vamvakaris. Im Januar 1929 – der griechische Staat hatte gerade die Entfernung der provisorischen Unterkünfte beschlossen – verwüstete ein großes Feuer den Platz. Im Rahmen seines Projekts Black Odyssey für die documenta 14 gibt der bekannte griechisch-afrikanische Rapper Negros Tou Moria ein Konzert auf dem Karaiskaki-Platz. Ausgehend von der Tradition der Rembetes und dem Vermächtnis des Hip-Hop verweist der Künstler auf Parallelen zwischen der Geschichte dieses Orts mit seinen Immigrant_innen und Ausdrucksformen der Untergrundmusik in Vergangenheit und Gegenwart.

  • Kotzia-Platz

Der Platz vor dem Rathaus in Athen hat im Laufe der turbulenten Geschichte des griechischen Staats seinen Namen unzählige Male geändert. Heute ist er – erneut – nach dem griechischen Politiker Konstantinos Kotzias benannt, der von 1934 bis 1936 Bürgermeister der Stadt Athen war. Kotzias ist für die Entwicklung von Projekten in der nahe gelegenen Straße Leoforos Alexandras bekannt, die der Unterbringung von griechischen Flüchtlingen aus der Türkei dienten. Einst ein bedeutender Treffpunkt – mit dem Stadttheater Athen, der National Bank und dem Hauptpostamt in der Nachbarschaft –, wirkt der Platz durch den aktuellen Niedergang des Athener Geschäftszentrums heute scheinbar verlassen. Im Rahmen der documenta 14 präsentiert Rasheed Araeen hier eine offene Struktur, die die Dynamik des Umfelds berücksichtigt und dem Platz mit einer Geste der Gastfreundschaft seine Betriebsamkeit zurückgibt. Mehrere Zeltpavillons – deren Gestaltung von traditionellen pakistanischen Hochzeitszelten (Shamiyaana) inspiriert, aber auf wenige Farben und geometrische Muster reduziert ist – bilden einen Ort der Begegnung, an den Araeen Besucher_innen zu einem gemeinsamen Mahl einlädt, begleitet von Reflexionen über mögliche Szenarien sozialen Wandels. Die Speisen basieren auf Rezepten aus dem Mittelmeerraum und werden vor Ort durch die Küche von Organization Earth zubereitet.

  • Küste, nahe Thymari

Cecilia Vicuña beschließt das Athener Kapitel ihres Projekts für die documenta 14 mit einer rituellen Opfergabe an die Meeresgötter und -göttinnen der antiken hellenischen Überlieferung. Die Künstlerin wird den Gottheiten die Überreste der roten, von einheimischen Schafen stammenden Wolle darbringen, die Teil ihrer „Quipu“-Installation im Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST) ist. Asche zu Asche, Wolle zu Wasser.

  • Landwirtschaftliche Universität Athen

Die 1920 gegründete und damit drittälteste Universität Griechenlands liegt auf beiden Seiten des Iera Odos. Dieser „heilige Weg“ wurde vor etwa viertausend Jahren angelegt und diente religiösen Prozessionen, die vom Heiligen Tor in Kerameikos bis zum Heiligtum der Demeter in der Nähe des Hafens von Elefsina führten. Demeter ist als Göttin eng mit den natürlichen Zyklen der Erde und mit dem Weizenanbau verbunden. Ihr Bildnis dient als Emblem der Universität. In Zusammenarbeit mit der Fakultät der Hochschule bringt der Künstler Aboubakar Fofana eine Herde von 54 mit Indigo eingefärbten Lämmern in einen der Obstgärten auf der Ostseite des Iera Odos – ein Lamm für jedes afrikanische Land.

  • Monument „Madra Blokou Kokkinias“

Am 17. August 1944 wurden in Kokkinia (heute Nikaia) in der alten Fabrik der britischen Firma Oriental Carpet 74 Mitglieder des griechischen Widerstands von Nazi-Truppen hingerichtet. Hunderte weitere Männer und Frauen aus der Gegend erlitten ein ähnliches Schicksal. Am Ort des Massakers steht heute ein Museum und Mahnmal, das die Besucher_innen dazu anhält, sich diese grauenhafte Episode der griechischen Geschichte zu vergegenwärtigen und sich mit den Geistern der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Basierend auf der ikonischen Performance Kokkinia von Maria Karavela (1938–2012) und ihrem daraus hervorgehenden, zensierten Film, bringt die Künstlerin Mary Zygouri ein Langzeitprojekt zur Aufführung. Das Projekt, das sich mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisenstimmung in Griechenland, aber auch weltweit beschäftigt, wurde in enger Zusammenarbeit mit den Nachbarschaften – und den Geistern – vor Ort entwickelt. Wie seinerzeit Maria Karavela präsentiert Mary Zygouri die Ergebnisse ihrer Arbeit in einer Performance und einem begleitenden Film.

  • Museum für Islamische Kunst (Benaki-Museum)

Vom Fall Konstantinopels im Jahr 1453 bis zur Revolution, aus der 1921 das moderne Griechenland hervorging, stand die Balkanhalbinsel unter der Herrschaft des Osmanischen Reichs. Das Museum für Islamische Kunst, das in einer restaurierten neoklassizistischen Villa untergebracht ist, ging 1931 aus der Sammlung von Antonis Benakis hervor. Die Kaufmannsfamilie Benakis lebte bis ins frühe 20. Jahrhundert in Alexandria, wo auch viele der Exponate zusammengetragen wurden. Heute umspannt die Sammlung des Museums, eine Dependance des umfassenderen Benaki-Museums, zwölf Jahrhunderte islamischer Kunst. Mounira Al Solh stellt ein besticktes Zelt aus, das von der Decke herabhängt: ein Angebot und ein Zufluchtsort für jene, die durch Kriege und gewalttätige Vertreibungen entwurzelt wurden. Auf dem Zelt sind florale Stickereien, gestickte Texte, Laub und andere fragile Materialien zu sehen, Schmuckelemente, die sich auf die tradierten Ornamente der Antike, der byzantinischen und osmanischen Epochen beziehen. Im Zelt liegt auf einem niedrigen Tisch ein Buch, das die Geschichten der Vertriebenen enthält, denen die Künstlerin im vergangenen Jahr in Athen und Kassel begegnet ist.

  • Numismatisches Museum

Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Wohnhaus des deutschen Archäologen Heinrich Schliemann, das von Ernst Ziller entworfen wurde. Seine Innenausstattung – einstmals ein Höhepunkt an Opulenz – spiegelt wider, wie sich die archäologischen Ausgrabungen in Pompeji auf die Entwicklung des Klassizismus auswirkten. Die 1834 gegründete Einrichtung zählt zu den ältesten öffentlichen Museen in Griechenland und widmet sich dem Sammeln von Zahlungsmitteln und der Erforschung von Währungssystemen. Das Numismatische Museum wird in ein improvisiertes Theater verwandelt. Israel Galván, Pedro G. Romero und Niño de Elche reflektieren über die Beziehung zwischen dem Heiligen und dem Profanen, Geld und Sexualität, dem Körper und der Münze.

  • Olympieion

Der erste Entwurf für einen der größten Tempel der Antike, das Olympieion (auch bekannt als Tempel des Olympischen Zeus), stammt aus dem Jahr 515 vor Christus und geht auf Peisistratos zurück. Die Errichtung des Bauwerks wurde jedoch 600 Jahre lang unterbrochen und erst im 2. Jahrhundert nach Christus unter dem römischen Kaiser Hadrian fortgesetzt. In der Zeit des Byzantinischen Reichs wurde der Marmor des Tempels für den Bau von Häusern und Kirchen in der Umgebung verwendet. Von den ursprünglich 104 riesigen korinthischen Säulen stehen heute nur noch fünfzehn, eine weitere wurde 1852 von einem Sturm zu Fall gebracht und bildet liegend eine Linie aus symmetrischen Marmorringen. Diese archäologische Stätte ist Schauplatz einer Performance von Prinz Gholam: geometrische Konstellationen, aus Körperbewegungen geformt; eine menschliche Inschrift als Kommentar zur Architektur und ihrem gegenwärtigen Zustand.

  • Panathinaiko-Stadion
    Griechisches Olympisches Komitee

Im 4. Jahrhundert vor Christus während der Herrschaft von Lykourgos erbaut, inmitten der Schlucht zwischen dem Ardettos-Hügel und dem Fluss Illissos, wurde das Panathinaiko-Stadion während der Herrschaft des römischen Imperators Hadrian zu der Hufeisenform umgebaut, die wir heute kennen. Das Stadion wurde 1896 erneut umgebaut, anlässlich der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, mithilfe von Pantelischem Marmor, dem romanischen Entwurf treu bleibend. Genau hier, während der Eröffnungszeremonie, wurde die Olympische Hymne, deren Text vom griechischen Nationalpoeten Kosfis Palamas stammt, das erste Mal gesungen. Während der documenta 14 wird das Stadion zu einem Spielort für die Whispering Campaign von Pope.L.

  • Pedion tou Areos

Der größte Park Athens wurde 1934 angelegt, um die Held_innen der Griechischen Revolution (1821–1832) zu ehren; sein Name verweist auf die Militärübungen, die unter König Otto abgehalten wurden. Ein Defilee von 21 Marmorbüsten dieser Helden zieht sich durch die Alleen des Parks, der sich nach seiner Eröffnung zum wichtigsten Freizeitgebiet im Athener Zentrum entwickelte. Das Café des Parks namens Green Park wurde zum Treffpunkt für die lokale Bevölkerung, ehe lange Jahre des Niedergangs und der Vernachlässigung folgten. Erst 2015 wurde das Lokal erneut in Betrieb genommen, diesmal von einem Künstler_innenkollektiv, das den Namen beibehielt und den Ort für politische Diskussionen und Darbietungen nutzte. Der Park ist auch einer der Schauplätze von Pope.Ls Whispering Campaign.

  • Philopapposhügel, Pikionispfad und Pavillon

Der Philopapposhügel – wahrscheinlich besser bekannt als Musenhügel – ist nach Gaius Iulius Antiochus Epiphanes Philopappus benannt, einem Konsul und hohen Verwaltungsbeamten unter dem römischen Kaiser Hadrian. Hier verortete Plutarch die Schlacht zwischen Theseus und den Amazonen. Von 1954 bis 1957 wurde das Areal vom Architekten Dimitris Pikionis in Zusammenarbeit mit Studierenden und lokalen Steinmetzen neu gestaltet: durch improvisierte Eingriffe in die vorhandene Topografie, ohne Rückgriff auf Papierpläne. So wurden ursprünglich in Attika beheimatete Pflanzen wieder ausgesetzt, ein Pavillon errichtet und Pfade mit Steinen angelegt, die aus (landestypischen und klassizistischen) Gebäuden vor Ort gesammelt wurden.

Der Pavillon, der an die Kirche Agios Dimitrios Lumbardiaris grenzt, verbindet Techniken, die den Steinfundamenten der Akropolis entnommen wurden, mit japanischen Bautraditionen. Er wird zur temporären Heimat für mehrere kleine, farbintensive Collagen von Elisabeth Wild, deren surreale Landschaften jede vorhersehbare visuelle Logik unterlaufen. Nicht weit davon entfernt befinden sich Vivian Suters Bilder, gemalt im Krater eines Vulkans auf der Insel Nisyros – manche mit direkten Spuren der natürlichen Umgebung: Erde, Schmutz, Meerwasser. Wer dem Pfad ein Stück weiter aufwärts folgt, stößt auf ein weiteres Monument der traditionellen Baukunst: ein handgemeißeltes Marmorzelt von Rebecca Belmore mit direktem Blick auf die Akropolis.

  • Polytechniou 8

„An einem Frühlingsmorgen in den frühen 1950er Jahren überquerte eine aufgeregte Gruppe junger Hochschulabsolvent_innen den Boulevard, um zu ihrem Lieblingscafé in der Polytechniou-Straße zu gelangen. Die Kriege waren vorbei, die Sonne schien, überall in Athen blühte es, und sie hatten gerade am Metsovio-Polytechnikum ihre Bauingenieursdiplome erhalten. Nun waren sie bereit, Athen aufzubauen.“ Während der documenta 14 wird in Polytechniou 8 eine Installation von Andreas Angelidakis zu sehen sein.

  • „Polytechnion“, Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA) und Nationale Technische Universität Athen (NTUA) – Komplex Patission-Straße

Die Hochschule der Bildenden Künste Athen, oder Polytechnion, gehört zu den ältesten Hochschuleinrichtungen Griechenlands. Zudem ist es ein wichtiger symbolischer und historischer Ort zeitgenössischen griechischen Widerstands. Vom 14. bis zum 16. November 1973 verbarrikadierten sich Studierende des Polytechnion in der Hochschule und begannen, einen Piratensender auszustrahlen, über den sie die Bevölkerung Athens zum Widerstand gegen die Militärdiktatur aufriefen. Am Abend des 17. November durchbrach ein AMX-30-Panzer auf Befehl der Junta das Haupttor. Mehr als zwanzig Personen wurden während der anschließenden Kämpfe getötet und der Aufstand wurde niedergeschlagen. Dennoch war er Anstoß zum Sturz der Militärdiktatur im folgenden Jahr. Drei der damaligen Studierenden, zentrale Aktivist_innen des Aufstand und der Besetzung des Polytechnion 1973 – Dionysis Mavrogenis, Giorgios Oikonomou und Titika Saratsi – kamen an den Ort zurück und berichteten während der ersten Arbeitssitzungen mit Künstler_innen, Kurator_innen und dem Team der documenta 14 von ihren Erfahrungen.

Eines der Hauptwerke im Polytechnion ist eine Arbeit des Künstlers Rainer Oldendorf, die von der Ausstellung Functional City inspiriert ist, die im Jahr 1933 im Polytechnion stattfand. Die Ausstellung war der Höhepunkt des vierten Treffens des Congrès internationaux d’architecture moderne (CIAM 4), das an Bord eines Schiffs veranstaltet wurde, das von Marseille nach Athen unterwegs war. Unter den Teilnehmer_innen befand sich die Avantgarde der internationalen modernen Bewegung: Alvar Aalto, Cornelis van Eesteren, Sigfried Giedion, Le Corbusier, Ferdinand Léger, Charlotte Perriand und Josep Lluís Sert. Zehn Jahre nach CIAM 4 sammelte Le Corbusier die Ideen eines Kongresses in der „Charta von Athen“, die nach dem Krieg den Weg für eine Rekonstruktion europäischer Städte im Geiste des Funktionalismus bereitete. Von diesen Ereignissen inspiriert, ist Rainer Oldendorfs Arbeit an das Format des CIAM angelehnt und wurde gemeinsam mit Studierenden und Professor_innen der Hochschule der Bildenden Künste Athen, der Nationalen Technischen Universität Athen, der Universität von Thessaly, der Kunsthochschule Besançon (ISBA) und der Kunsthochschule Kassel entwickelt.

Am 20. März 2017 hat der Künstler Sokol Beqiri einen Baum neben die Prevelakis Hall auf dem historischen Campus der National Technical University of Athens gepflanzt. Dieser ist Teil seiner Arbeit Adonis (2017) und basiert auf der Idee des Künstlers Lulzim Zeqiri: eine heimische Eiche mit okulierten Zweigen einer deutschen Eiche.

  • Romantso

Romantso („Roman“) war der Titel einer populären griechischen Zeitschrift, die erstmals 1934 erschien und deren Ausgaben jeweils Geschichten in Romanlänge enthielten. Als ihr Preis im Jahr 1956 von sechs auf drei Drachmen fiel, stiegen die wöchentlichen Verkäufe auf 300.000 Exemplare, die von Griechen auf der ganzen Welt gelesen wurden und die Lifestyle-Trends einer neuen Mittelklasse der Nachkriegszeit verbreiteten. Im Gebäude, in dem die Zeitschrift einst gedruckt wurde, befindet sich heute die Bar Romantso, die zugleich auch Club, Galerie und Schauplatz für kulturelle Aktivitäten im historischen Stadtzentrum von Athen ist. Sie dient als temporäre Heimat für das nomadische Sound- und Musikprojekt Listening Space, das von Paolo Thorsen-Nagel, Berater für Sound und Musik der documenta 14, kuratiert wird und dessen Programme auch andernorts zu hören sind: in der Athener Konzerthalle Megaron, im Athener Konservatorium (Odeion) sowie an speziellen Veranstaltungsorten im Freien.

  • Rizaris-Park

Unweit des Athener Kriegsmuseums, umgeben von zwei verkehrsreichen Straßen, befindet sich eine grüne Oase mit ausschließlich mediterraner Flora. Die Pflanzen sind eine Hinterlassenschaft aus dem Jahr 1844 und stammen von Georgios Rizaris, einem ehemaligen Mitglied der Filiki Eteria (Gesellschaft der Freunde), der vielleicht bedeutendsten aller Geheimgesellschaften, die im Zuge des Kampfes für die griechische Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich gegründet wurden. Rizaris wünschte sich einen Garten im Zentrum von Athen, in dem die städtische Jugend Erholung finden konnte. David Harding greift zwei Zeilen aus Samuel Becketts Gedicht „Cascando“ (1936) auf, um die Sehnsuchtslinien des Parks zu markieren: „If you do not love me I shall not be loved / If I do not love you I shall not love.“

  • Städtisches Kino Stella

In Kypseli gelegen, einem Stadtteil im Norden des Athener Zentrums, ist das Freiluftkino Stella eine Art leerer Rahmen inmitten des dicht besiedelten urbanen Raums. Sein Name verweist auf die von der Kinolegende Melina Mercouri verkörperte willensstarke Figur der Stella im gleichnamigen Film aus dem Jahr 1959. In den 1960er Jahren war das Kino eines von mehr als 600 Athener Freiluftkinos, von denen die meisten heute verschwunden sind.

Zu sehen ist hier Douglas Gordons I had nowhere to go (2016), das auf den Tagebüchern von Jonas Mekas beruht. Der Film besteht nur aus wenigen Bildern – es ist vielmehr Mekas’ Stimme, die den Raum füllt und vom Alltagsleben des Filmemachers als jungem Migranten erzählt.

  • Stadttheater Piräus

Das Stadttheater Piräus ist ein typisches Beispiel für die Architektur öffentlicher Gebäude im Griechenland des 19. Jahrhunderts. Das nach den Plänen von Ioannis Lazarimos errichtete neoklassische Gebäude dient seit 1895 als Treffpunkt für die Kunstszene der Stadt. Nach dem Ersten Weltkrieg fungierte es als Garnisonskommandantur; in seinen Räumlichkeiten war neben anderen Gewerkschaften auch das Arbeitnehmerzentrum von Piräus untergebracht. 1922, nach der „Kleinasiatischen Katastrophe“, wurde ein Teil des Theaters in eine Schule umgewandelt. Flüchtlinge nutzten die Theaterlogen als Wohnraum. Alexandra Bachzetsis präsentiert Private Song, eine Arbeit, die sich mit Rebetiko-Musik der 1940er und 1950er Jahre beschäftigt. Das Stück bedient sich der Umdeutung als Wahrnehmungsstrategie und stellt die Entkodifizierung von Geschlecht und Affekt durch die Zuschauer_innen infrage. Verschiedene Akte der Um-Deutung erzeugen ein trügerisches Bild, das schlussendlich die Position der Zuschauer_innen transformiert.

  • Stavropoulou 15, Amerikis-Platz

Die Gegend um den Amerikis-Platz, in der einst die obere Mittelklasse wohnte, ist heute ein multikulturelles Viertel. Das Haus in der Stavropoulou 15 liegt in einer ruhigen und hübschen Straße. Der Stil des 1928 aus Stein errichteten Gebäudes ist typisch für das Wiederaufleben des Neoklassizismus in Athen und architektonisch besonders bemerkenswert. Maria Eichhorn verwandelt diesen Ort in ihrer Arbeit in eine Immobilie ohne Eigentümer_in um und sorgt so dafür, dass es ungenutzt und vor Gentrifizierung, Grundstücksspekulation und Aufkauf zu kommerziellen Zwecken geschützt bleibt.

  • Stoa tou Vivliou

Die Stoa Arsakiou, eine zentral gelegene, aber etwas versteckte Arkadenpassage, wurde im Jahr 1900 gebaut, doch ihren heutigen Namen erhielt sie 1996. Damals begann die Gesellschaft für die Förderung von Bildung und Lernen damit, im Terrassencafé und im Auditorium Buchvorstellungen und Kulturveranstaltungen zu organisieren, wofür sie sich oft mit den hier ansässigen Verlagen zusammentat. In einer ungenutzten Ladenfront sind Frottagen zu sehen, die von Marmorstelen stammen, in die Dokumente der Firma Yugoexport eingraviert sind. Es handelt sich hier um eine „verdeckte, nicht registrierte, mündlich verbürgte Firma“, die von der Künstlerin Irena Haiduk in den Vereinigten Staaten, wo Unternehmen Rechtspersonen sind, ins Leben gerufen wurde. Firmensitz ist Belgrad. Die Dokumente sind auf Serbisch und Englisch verfasst; während der Ausstellung der documenta 14 werden die Texte von Zeit zu Zeit live auf Griechisch gelesen.

  • Syntagma-Platz

Der zentrale Platz Athens dient, dank seiner prominenten Lage direkt vor dem griechischen Parlament, seit Langem als Ausgangs- und Zielpunkt für zahlreiche Versammlungen und Demonstrationen. Der ursprünglich als „Palastplatz“ bezeichnete Ort wurde nach der Revolution vom 3. September 1843 – bei der ein vom Volk unterstützter Militäraufstand König Otto zur Einführung einer Verfassung (syntagma) zwang – umbenannt. Seit damals wird der Platz immer wieder von diversen sozialen und politischen Bewegungen in Besitz genommen, die für Menschenrechte demonstrieren. Ibrahim Mahamas Interesse gilt dem Aufdecken von historischen und politischen Realitäten, ökonomischen Verbindungen und sozialen Beziehungen, die in spezifische Orte eingebettet sind. Bei seiner Intervention auf dem Syntagma-Platz führt er Jutesäcke, die einst zum Transport von Waren dienten, einem neuen Zweck zu, um die unterschiedlichen Schichten politischer Aktionen sichtbar zu machen, die dort im Lauf der Zeit stattgefunden haben.

  • Tositsa-Straße 5, Exarchia

In der Tositsa-Straße 5 befand sich von 1974 bis 1976 das von einer unabhängigen Künstler_innengruppe (Yannis Valavanidis, Kleopatra Digka, Thymios Panourias, Yannis Psychopedis) gegründete und von Kunstschaffenden geführte Zentrum für Bildende Kunst. Ab den 1980er Jahren wurden die Räume für Geschäfte genutzt, bis sie vor drei Jahren geschlossen wurden. Georgia Sagri entwickelt hier ein Kontinuum an Performances und skulpturalen Formen, das sich über den Ort hinaus bis in die Stadt hinein erstreckt. Alle Aktionen finden zeitgleich auch in Kassel statt.

  • Trianon

Die Geschichte des Kinos Trianon beginnt mit der Premiere des griechischen Films Sonntags … nie! im August 1960. Ehemals ein beliebter Treffpunkt, spiegelte der Umbau von einem lokalen Café und Konditorei zu einem Kino in den 1960er Jahren die Bewegung hin zu populärem Entertainment der Zeit wider. Neben Filmen umfasst das Programm heute auch Aufführungen, Konzerte und interdisziplinäre Veranstaltungen, die den Bedürfnissen des zunehmend multikulturellen Publikums der Stadt entgegenkommen. Das Trianon zeigt das Premierenscreening von Marina Giotis Film Invisible Hands, begleitet von einem exklusiven Auftritt des Musikers und Musikethnologen Alan Bishop und seiner Band The Invisible Hands aus Kairo. Giotis Film ist zwischen den beiden Wahlen angesiedelt, die die Zeit nach dem Arabischen Frühling in Ägypten prägten – eine Zeit, die zwischen Hoffnung und Desillusionierung schwankte. Eine Tragikomödie über Politik und Kunstschaffen in einer von Unruhen heimgesuchten Peripherie.

  • Yannis-Tsarouchis-Stiftung

Yannis Tsarouchis (1910–89), der als Bühnen- und Kostümbildner internationales Ansehen genoss, war auch ein überaus produktiver Maler, dessen Bilder in einem modernen und sinnlichen Stil gehalten sind. Er war ein über die Grenzen von Geschlechtern, Klassen, politischen Lagern und Generationen hinweg gefeierter Künstler. Er arbeitete an Theater- und Opernproduktionen mit Maria Callas, Katina Paxinou, Christina Tsingou und zahlreichen weiteren Bühnenkünstler_innen. 1977 brachte er auf einem Parkplatz im Zentrum Athens Die Troerinnen von Euripides zur Aufführung. Für dieses Projekt, das zum Inbegriff seines Engagements für die Stadt Athen und seiner alltäglichen Dramaturgie wurde, hatte er das Stück ins Neugriechische übersetzt, die Produktion geleitet und sämtliche Bühnenbilder entworfen. 1981 machte Tsarouchis sein Haus und Atelier in Marousi, einem Vorort im Norden Athens, zum Sitz der Stiftung, die heute seinen Namen trägt. Die documenta 14 ließ an dem Haus im Vorgriff auf eine in Zukunft unbedingt erforderliche Grundsanierung die nötigsten Reparaturen vornehmen.

Gepostet in Neues am 24.03.2017
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