Das Parlament der Körper: 600 Notes
gewidmet Sedje Hémon (1923–2011)
mit Marianna Maruyama und Andrius Arutiunian

JUL
28
20–22 Uhr
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, Kassel
Als Livestream verfügbar
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Zwischen den Jahren 1958 und 1965 führte die niederländische Künstlerin und Komponistin Sedje Hémon ein chronologisch geordnetes (jedoch nicht datiertes) Verzeichnis von 600 nummerierten Notizen, das die Entwicklung ihrer Methode verfolgte, bildende Kunst mit der Musik zu verflechten, um auf diese Weise Musik aus den Bildkunstwerken „extrahieren“ zu können. Solche Notizen in einer derartig methodisch kontrollierten Form zu führen, bot ihr die Möglichkeit, innerhalb ihres künstlerischen Verfahrens und Lebens die Handlungsträgerschaft zurückzuerobern.

600 Notes ist eine Sammlung von 600 performten „Notizen“ – tatsächlich aufgezeichnete Notizen, Musiknoten, Audiovermerke und weitere Stücke über die Bedeutung des Wortes. Zwischen uns beiden und den anwesenden Leuten (dem Publikum), werden wir unsere Notizen als Multimediaperformance mit Live-Sound, Gestik, Bild und Stimme aufführen.

Diese Notizen faszinieren uns aufgrund ihrer idiosynkratischen Methodologie – sie sind eine Melange aus Hémons sorgfältig beobachteten Entwürfen und Entdeckungen sowie persönlichen Begegnungen mit künstlerischen Einflüssen und privaten Reflexionen. Indem wir ihre Notizen als Form begreifen, stellt diese Performance unsere Herangehensweise dar, aus unserer künstlerischen Perspektive heraus eine neue Arbeit zu entwickeln, während wir zugleich ihr Werk für ein heutiges Publikum neu kontextualisieren.

Die Performance wurde zum Teil durch die Unterstützung des Mondriaan Fund und Stroom Den Haag ermöglicht.


Marianna Maruyama nutzt bei ihrer performance-orientierten Praxis in erster Linie Körper und Stimme als Mittel. In ihren Arbeiten finden nur einige wenige Elemente – zumeist Körper und Texte – Anwendung, doch diese lassen ein komplexes Netzwerk von Beziehungen zwischen Geografien, Geschichten und Sprachen entstehen. In ihren Performances, Veröffentlichungen und Audioaufnahmen begleitet Maruyama das „Vorher und Nachher“ eines Ereignisses und erweitert die kreativen Begegnungen, die ihr Schaffen prägen. Eine ihrer Hauptschwerpunkte ist die Übersetzung als künstlerischer Akt.

Zu ihren neuesten Projekten und Langzeitarbeiten zählen: 600 Notes; Deep Body Massage; How Language Moves; Il Milione; sowie die Workshops How to Lose Your Voice. Im Jahr 2013 veröffentlichte sie Three Movements, ein Künstlerbuch, das sich mit den Aushandlungen eines global geteilten Lebens nach der Atomkatastrophe in Fukushima beschäftigt. Nach einem ausgedehnten Arbeitsaufenthalt in Japan zog Maruyama 2012 in die Niederlande, erwarb ihren MA am Dutch Art Institute und ist eingeladene künstlerische Forscherin an der Sedje Hémon Foundation. Sie lebt und arbeitet in Den Haag und performt sowohl in zeitgenössischen Kunst- wie Musikkontexten.

Andrius Arutiunian ist ein armenisch-litauischer Komponist und Soundkünstler. Seine Musik erforscht soziokulturelle Aspekte spezifischer Geschichtsperioden auf Basis sonischer Artefakte, wobei er sich häufig mit Vorstellungen von Identität, tonaler Aneignung und den Schwellenübergängen von Noise und Sound beschäftigt. Seine Arbeiten umfassen elektroakustische Stücke für Kammerensembles, Soundinstallationen und Multimediastücke, zu denen auch seine Komposition über das stillgelegte Atomkraftwerk Visaginas in Litauen zählt sowie die Neukomposition der Aufnahmen auf dem Golden Record der Voyager-Sonde der NASA aus dem Jahr 1977. Arutiunians armenisch-litauischer Hintergrund beeinflusst sein Werk in hohem Maße und zwingt ihn, sich in seiner Musik mit den Ebenen von persönlichen und geteilten Geschichten auseinanderzusetzen.

Arutiunian lebt, arbeitet, performt und lehrt sowohl im Kontext zeitgenössischer Musik wie auch im Kontext zeitgenössischer Kunst in Den Haag. Seinen BA und MA erwarb er am Royal Conservatory in Den Haag, wo er bei Yannis Kyriakides und Peter Adriaansz studierte. Er ist Forscher und Lehrbeauftragter (Master Artistic Research department, KABK, Sedje Hémon Stichting). Er arbeitet mit zahlreichen internationalen Ensembles (u. a. mit MAZE, Ensemble Klang, Slagwerk Den Haag, Synaesthesis) und bildenden Künstler_innen zusammen; seine elektronischen und audiovisuellen Sets führt er häufig solo in den Niederlanden und international auf. Andrius Arutiunians Arbeiten werden vom Musikverlag Donemus veröffentlicht.

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