HALLUCINATIONS / LIVE / CINEMA / FESTIVAL: HALLUCINATIONS #6–10

JUN
23
17–1 Uhr
Griechisches Filmarchiv (Tainiothiki), Iera Odos 48 und Megalou Alexandrou 134-136, Athen
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Brenna Murphy, Lattice-Domain_Visualize, 2017, USA, Videostill

HALLUCINATION #6: SIMULATED REALITY

Das Bild ist eine Welt ist ein Bild, leicht zu verwechseln mit unserer eigenen. Anders ausgedrückt, eine Kamera ist ein Projektor ist eine VR-Brille ist ein Vehikel, und die Raum-Zeit, in die wir soeben eingetreten sind, ist, wodurch auch immer, so real wie die, die wir soeben hinter uns gelassen haben (MSHR). Hier ist ein Raum mit digitalen Wänden, ein Gitter mit mehr Substanz als der analoge Boden, auf dem wir den ganzen Tag standen. Unser geistiges Auge passt sich an und in unserem geistigen Ohr hören wir den Soundtrack von gestern, der in den von heute vorhallt (LUCKY DRAGONS). Ist die Realität ein Riss in der Reality-Show? Wahrnehmung ist Wahrheit, halluziniert (JACOBS).

  • 17–00 Uhr Gallery
    Integrated Space Transducer von MSHR (Virtual Reality-Installation, work in progress, 2017)
    Ein generatives/interaktives Computermusiksystem in einer Virtual Reality- Umgebung in einer realen Installation.

  • 17–00 Uhr Lobby
    MOS von Lucky Dragons (Audio-Installation, work in progress, 2017)
    Soundtracks, gesprochene Einführungen, Publikumsgetuschel und wilde Klänge werden gesammelt, interpretiert und abgespielt als verzögerter Schatten einer anderen Klangzeit durch die Grundstücksmauern des Griechischen Filmarchivs.

    Eternalisms von Ken Jacobs (Video, work in progress, 2015–2017)
    Monokulare Alltagsbeobachtungen, dargelegt in einer stereoskopischen Sichtweise.

Rohan Shivkumar und Avijit Mukul Kishore, Nostalgia for the Future, 2016, India, Filmstill

HALLUCINATION #7: AUTOSCOPY

„Luft muss verdichtet sein, wenn sie wie ein Spiegel wirken soll; doch tritt bei Sehschwäche oftmals die Brechung auf, auch wenn keine Verdichtung der Luft vorliegt. So ging es regelmäßig einem Mann mit schwachen Augen: er hatte stets, wenn er einen Weg machte, den Eindruck, es gehe ihm ein Schattenbild voraus, den Blick auf ihn gerichtet. Die Ursache hiervon war, dass sein Sehen zu ihm zurückgeworfen wurde; dies war aufgrund seines Augenleidens so schwach und matt, dass schon die umgebende Luft für ihn zum Spiegel wurde und sich nicht durchdringen ließ – zum Spiegel, wie sonst entfernte, verdichtete Dunstmassen wirken [JHAVERI].“ – Aristoteles, Metereologie (384–322 v. Chr.).

  • 17–20 Uhr CINEMA 1
    Cinepolis, the Film Capital von Ximena Cuevas (22 Min., 34 Sek., Video, 2003)
    Ein Mashup-Videoessay, der die kapitalistischen Bilder von Vergnügen und Kommerz zu ihrer Quelle zurückwirft und die Instrumente des Gegners dazu benutzt, das eigene Spiegelbild zu zerstören.

    „In Postcolonial India: Perceiving Transition“, kuratiertes Programm von Shanay Jhaveri: Nostalgia for the Future von Rohan Shivkumar und Avijit Mukul Kishore (2016) & TBA (150 Min., Filnvorführung und Diskussion, unterschiedliche Formate)
    Das halluzinatorische Erlebnis, in ein unbekanntes Land zu kommen, wird seit langem und häufig thematisiert; hier regt ein Film dazu an, sich die Schwierigkeit vorzustellen, einen kolonialen Kontext zu verlassen, an den man sich gewöhnt hat.

Ulrike Ottinger, Chamissos Schatten, 2016, Deutschland, Filmstill

HALLUCINATION #8: MACROPSIA

Um diese Erde zu verstehen, muss man Flüsse sehen, wo Bäche sind, Berge, wo Hügel sind, mannigfaltige Horizonte, wo nichts ist als eine Felskante. Die Welt ist ein Ding, sich darin zu verlieren, von ihr überwältigt zu sein, durch sie klein zu werden. Ein Mückenschwarm ist eine Rentierherde ist eine Unendlichkeit – riesiges Geweih und samtiges Fell, Körper, die über unsere eigene Bedeutungslosigkeit hinausragen. So ist es mit allem. Insel um Insel, Gipfel um verschneiter Gipfel – bei ihrem Anblick sieht man sich schließlich, wie man wirklich ist: eine Welt en miniature (OTTINGER).

  • 17–19.45 Uhr Cinema 2
    Chamissos Schatten, Kapitel 2/Teil 2: Tschukotka und Wrangelinsel von Ulrike Ottinger (155 Min., BluRay, 2016)
    Von Gogol, Tschechow und Cook unterschiedlich geschildert, bieten diese extremen arktischen Regionen nach wie vor ein glänzendes Permafrostgebiet für ethnographische Forschungen und Logbuch-Einträge: Vergangenheit wird Gegenwart wird eine mit Volkstanz und radioaktiven Rentierfellen geschmückte Zukunft.

  • 21–00Uhr Cinema 1
    Chamissos Schatten, Kapitel 3: Kamtschatka und Beringinsel von Ulrike Ottinger (174 Min., DCP, 2016)
    Worin unsere Schatten zurückkehren und die Freuden der Reise, die längst Kino genannt wird, an ihr augenscheinliches Ende kommen.


Karrabing Film Collective, Wutharr, Saltwater Dreams, 2016, Australien, Filmstill

HALLUCINATION #9: THE DREAMFISH

Sarpa salpa, in mancherlei Gewässern als „Fisch, der berauscht“, „Oberhaupt der Geister“ (ABRAHAMS x BROUS x COATES) und „Fisch, der Träume macht“ bekannt, ist ein Vertreter der Meerbrassen und kommt im Mittelmeer, vor der spanischen Küste und entlang der West- und Südküste Afrikas vor. Man erkennt ihn an den goldenen Längsstreifen und an den Halluzinationen, die er verursachen kann, wenn man ihn verspeist (HOLTHUIS). Im römischen Reich zur „Entspannung“ serviert und von Polynesiern auf Hawaii, den Norfolk- und Gilbert-Inseln zu zeremoniellen Zwecken verzehrt, war Sarpa salpa auch dafür verantwortlich, dass ein vierzigjähriger Geschäftsführer auf Urlaub in Cannes (im April 1994) glaubte, sein Auto sei von riesigen kreischenden (HILL) Gliederfüßlern umzingelt (CUEVAS).

  • 21–23 Uhr open-air
    Holding Ground von Leo Abrahams x Sophia Brous x Oliver Coates (40 Min., Performance, 2017)
    In einer für HALLUCINATIONS einmaligen Kooperation schließen sich drei visionäre Musiker zusammen und erschaffen einen Live-Soundtrack zu einem Film, der nicht da ist.

    Marsa Abu Galawa von Gerard Holthuis (13 Min., 35 mm, 2004)
    Ein Flickerfilm über das Rote Meer, unbewusst instrumentiert vom ägyptischen Musiker Abdel Basset Hamouda.

    Wutharr, Saltwater Dreams von Karrabing Film Collective (30 Min., DCP, 2016)
    Mittels hypnagogischer Flashbacks diskutiert eine australische Aborigines-Familie die Frage, warum der Bootsmotor streikt und sie im Busch festsitzen.

    It All Depends (On You) von Lyra Hill (10 Min., Performance, 2017)
    Die erste in einer Reihe orts- und publikumsspezifischer Interventionen, die versucht, durch direkte physische Manipulation Anspannung zu erzeugen und zu lösen.

Lakis & Aris Ionas, The Great Eastern, 2016, Griechenland, Filmstill

HALLUCINATION #10: THE DREAMFISH (Fortsetzung)

Noch eine metaphorische Anekdote aus Clifford Pickovers 2005 erschienenem Buch Sex, Drugs, Einstein, & Elves: „Einige Reporter haben den Traumfisch gegessen und seine seltsame Wirkung beschrieben. Der berühmteste ist Joe Roberts, ein National Geographic-Photograph. Er grillte 1960 einen Traumfisch. Nach dem Verzehr der Delikatesse hatte er intensive Science-Fiction-Halluzinationen, in denen futuristische Fahrzeuge, Bilder von der Erkundung des Weltalls und Denkmäler der ersten Reisen der Menschheit ins All vorkamen (IONAS).“

  • 23–00 Uhr open-air
    The Great Eastern von Lakis & Aris Ionas/The Callas (120 Min., DCP und Live-Performance, 2016)
    Eine experimentelle Geschichte, in der eine kleine Gruppe darauf wartet, dass ein Ozeandampfer sie in ein neues Utopia bringt; ein Schmetterling kommt ihnen in die Quere und vermasselt alles.



Leo Abrahams studierte Komposition an der RAM, bevor er eine abwechslungsreiche Laufbahn als Produzent, Gitarrist und Komponist einschlug. Er hat u.a. mit Brian Eno, Jon Hopkins und Marianne Faithful zusammengearbeitet.

Sophia Brous ist eine kreative Musikerin und interdisziplinäre Performerin, die in New York und Melbourne lebt. Sie arbeitet international mit Künstlern und Kompanien zusammen an neuen und ausgedachten Arbeiten. Sie hat eine Residenz am National Sawdust New York und ist Gründerin und Kurator von Supersense: Festival of the Ecstatic.

Oliver Coates ist Cellist, Komponist und Produzent. Er lebt in London. Jüngst brachte er u.a. eine Soloplatte, Upstepping, bei PRAH Recordings heraus; eine Platte, die in Kollaboration entstand, ist Remain Calm, zusammen mit Mica Levi bei Slip; und ein einstündiges Werk für Streichquartett, das während der Operadagen Rotterdam uraufgeführt wurde.

Basma Alsharif ist Künstlerin und Filmemacherin palästinensischer Abstammung, geboren in Kuwait und aufgewachsen in Frankreich und den USA. Sie arbeitet in den Medien Kino und Installation mit Blick auf die conditio humana in sich wandelnden geopolitischen Zusammenhängen und natürlichen Umgebungen. Ihre Arbeiten waren in großen Ausstellungen zu sehen, wie etwa der Whitney Biennial; les Rencontres d'Arles; les Module im Palais de Tokyo; Here and Elsewhere im New Museum; Al Riwaq Biennale, Palästina; dem Berlin Documentary Forum; der Biennale von Sharjah; sowie der Manifesta 8. Sie wurde mit dem Preis der Jury auf der Sharjah Biennale 9 ausgezeichnet und erhielt das Stipendium Marcelino Botin Visual Arts. Heute lebt Basma in Los Angeles.

Erika Balsom ist Dozentin für Film Studies and Liberal Arts am King’s College London. Sie schreibt regelmäßig Beiträge im Artforum, ist Autorin der Monografie Exhibiting Cinema in Contemporary Art sowie eines Buchs über den Vertrieb von künstlerischen bewegten Bildern, das demnächst bei Columbia University Press erscheint. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungskatalogen, Anthologien und Zeitschriften wie Screen, Cinema Journal und Afterall veröffentlicht. Sie promovierte in Moderner Kultur und Medien an der Brown University und war ein Mellon Postdoctoral Fellow an der University of California, Berkeley.

Jean-Pierre Obama Bekolo wurde in Kamerun geboren und ist einer der mutigsten zeitgenössischen westafrikanischen Regisseure, die heute arbeiten. Bekolo stellt eine Brücke zwischen der alten Garde, den Pionieren des (west-)afrikanischen Kinos – Ousmane Sembène, Djibril-Diop Mambety, Safi Faye (sämtlich aus Senegal) und Souleymane Cissé (Mali) – und einer neuen Generation von talentierte Filmemachern dar – Abderrahmane Sissako (Mali), Moussa Touré (Senegal) und Mahamat Haroun Saleh (Tschad) u.a. Sein fantasiereiches Werk kritisiert sowohl die Diktatur in seinem Heimatland als auch westliche Filmkonventionen, während er eine neue Sicht auf Afrika, das Kino und insbesondere auf das afrikanische Kino anbietet.

Andrew Berardini ist ein amerikanischer Autor, der besonders für seine Arbeiten als Kritiker und Kurator bildenden Kunst in Los Angeles bekannt geworden ist. Er veröffentlicht Artikel und Essays in Zeitschriften wie frieze, Mousse, Fillip, Artforum, ArtReview, Art-Agenda, Paper Monument, Art in America, Public Fiction, Rolling Stone (Italien) und LA Weekly. Er war Verlagsassistent bei Semiotext(e) Press und ist gegenwärtig der Los Angeles Redakteur für Mousse, leitender Redakteur bei Artslant, Mitredakteur bei Momus und Art-Agenda, sowie Gründungsmitglied der Art Book Review. Jüngst hat Andrew Danh Vo: Relics (Mousse, 2015) geschrieben und stellt gerade ein Buch zum Thema Farbe fertig. Er ist der Vater von Stella.

Peter Burr ist ein Künstler aus Brooklyn, NY, der auf Animation und Installation spezialisiert ist. Seine jüngste Arbeit erforscht das Konzept eines endlos mutierenden Labyrinths. Sie wird mit Hilfe von Creative Capital und dem Sundance Festival zu einem Videospiel erweitert. Zuvor hat er unter dem Pseudonym Hooliganship gearbeitet und im Jahr 2006 das Videolabel Cartune Xprez gegründet, mit dem er live Multimedia-Ausstellungen übertrug, in denen Künstler vorgestellt wurden, die mit experimentelle Animation arbeiten.

The Callas ist die Spitze des Eisbergs einer künstlerischen Fabrik, in der Kunstwerke, Musik, Filme, Zeitschriften, Events und Ausstellungen entstehen und die von den Gebrüdern Lakis & Aris Ionas initiiert wurde. Performances wurden in Kirchen, Galerien, Wohnungen, Museen, auf Booten, Bergen und Toiletten veranstaltet, aber auch auf Festivals wie etwa dem Liverpool Psyche Festival (Liverpool), The Great Escape Festival (Brighton), Indigenes Festival (Frankreich), Reeperbahn Festival (Hamburg) und mit Bands/Künstlern wie Thurston Moore, Lee Ranaldo, The Brian Jonestown Massacre, Ty Segall und Grinderman. In den vergangenen zehn Jahren haben Lakis & Aris Ionas verschiedene Zeitschriften für die Athener Underground-Musik-/Kunst-/Filmszene herausgegeben, darunter Velvet und Lust, und ihr Atelier ist einer der aktivsten Kulturstandorte in Athen.

Ximena Cuevas ist eine weltbekannte mexikanische Video- und Performancekünstlerin, deren experimentelle Arbeiten Themen wie Sexulaität, Alltag, Heteronormativität, Schönheit, Popkultur und was sie die „Halbverlogenheit“ der kollektiven mexikanischen Einbildungskraft nennt, mit subtiler Ironie und geistreichem Humor aufgreifen. Im Jahr 2011 arbeitete sie im Bundesstaat Guerrero an einem Projekt zur Rettung der Meeresschildkröten. Cuevas’ Videos und Filme sind im Rahmen des Sundance Festivals, Berlinale, aber auch im Guggenheim Museum in New York wie auch in Bilbao und auf der Wanderausstellung Mexperimental Cinema gezeigt worden.

Alexandre Estrelas Videoinstallations und Projektionen konfigurieren das Bild als Entität, die sich nicht auf ein Feld der Repräsentation reduzieren lässt, sondern materielle und körperliche Konsequenzen hat. Estrela problematisiert fortwährend die Bestandteile, die den Akt des Sehens konstituieren, und ebenso die mögliche Aufteilung des Sehens in weitere sinnliche Dimensionen. Zu Estrelas bemerkenswertesten Einzelausstellungen gehören: Roda Lume, Museum für zeitgenössische Kunst, Antwerpen (2016); Cápsulas de silencio, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (2015); Um homem entre quarto paredes, Pinacoteca do Estado de Sao Paulo, Sao Paulo (2013); The Sunspot Circle, The Flat Time House, London (2013). Seit 2007 leitet Alexandre Estrela Oporto, ein Programm für Ausstellungen und Projekte der Stadt Lissabon, wo sie gegenwärtig lebt und arbeitet.

Lyra Hills dynamische und breitgefächerte künstlerische Praxis schließt u.a. 16 mm Filme, alternative Comics, interdisziplinäre Performance und Radio ein. Sie ist Gründerin und Organisatorin von Brain Frame (2011-2014), Magic Chats (2015) und Nothing Up My Sleeve (2016) und arbeitet immer wieder als unterrichtende Künstlerin, Conferenciere, Priesterin, Auktionator, Projektionistin, Archivarin und Kampfsportlehrerin. Sie lebt mit ihrem Partner Tyson Thurston in Los Angeles.

Ken Jacobs ist eine der Schlüsselfiguren in der Geschichte des amerikanischen Avantgardefilms. Als einer der Pioniere für Experimentalfilm und digitale Experimente seit den späten 1950er Jahren erforscht er die Mechanik des bewegten Bilds und den Akt des Sehens gleichermaßen. Jacobs untersucht die Filmerfahrung als Ganzes, von der Produktion bis zur Projektion. Ob er archäologische Expeditionen an den Ursprung des Kinos unternimmt oder die Zwischenräume der neuen digitalen Technologien auf die Probe stellt, Jacobs' untersucht, provoziert und bezieht ihre Kraft aus den Rätseln um die Natur des menschlichen Sehens.

Shanay Jhaveri, Assistenzkurator für Südasiatische Kunst, hat seinen Abschluss an der Brown University gemacht und hat einen Doktortitel vom Royal College of Art. Unter seinen letzten Ausstellungen waren Companionable Silences (2013) im Palais de Tokyo und Filmprogramme für den Dhaka Art Summit, die LUX/ICA Biennial of Moving Images sowie die Tate Modern. Er ist der Autor von u.a. Western Artists and India: Creative Inspirations in Art and Design, Outsider Films on India: 1950–1990 und Chandigarh is in India. Er hat weitläufig prubliziert und ist Mitredakteur von Frieze Magazine. Jhaveri ist ein Treuhänder des gemeinnützigen Kunstraums Mumbai Art Room.

Seit seiner Gründung im Jahr 2008 – im Schatten des Angriffs des australischen Staats auf die Ländereien und sozialen Welten der indigenen Bevölkerung – ist die Karrabing Film Collective eine Gruppe für Film und Kunst an der Basis der indigenen Gesellschaft. Ihre ästhetische Praxis ist ein Mittel zur Selbstorganisation und Gesellschaftskritik. Dem Kollektiv gehören um die dreißig Mitglieder an, von denen die meisten mit wenig oder gar keinem Einkommen in ländlichen indigenen Gemeinschaften im Northern Territory leben. Ihre Filme und Kunstwerke stellen ihr Leben dar. Sie schaffen Anbindung an das Land und intervenieren in globalen Bildern von Indigeneität. Ihr Medium ist eine Form von Überleben als Widerstand – eine Weigerung, ihrem Land den Rücken zuzukehren und ein Mittel zur Erforschung der gegenwärtigen sozialen Umstände der Ungleichheit.

Kapwani Kiwanga hat an der McGill Universität in Montréal Anthropologie und vergleichende Religionswissenschaft studiert, bevor an die École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Paris ging, um an dem Programm La Seine teilzunehmen. Zwischen 2007 und 2009 führte Kiwanga diese Arbeit im Fresnoy, Studio National d’Art Contemporain, weiter. Letzte Einzelausstellungen sind u.a. in der Esker Foundation, Calgary; CLARK, Centre d’art et de diffusion, Montreal (2018); Ar/ge kunst, Kunstverein di Bolzano; Goodman Gallery, Johannesburg; Power Plant, Toronto; Stiftelsen 3,14, Bergen, Norway; Viafarina, Milan, South London Gallery (2015); Jeu de Paume (2014).

Als dauerhafte Kollaboration der in Los Angeles ansässigen Künstler Sarah Rara und Luke Fischbeck untersucht Lucky Dragons Formen der Partizipation, des Dissens, der Wahrnehmung sowie der Aufmerksamkeit hinsichtlich der Performance und der Kunst in der Öffentlichkeit. Dabei arbeiten sie zielgerichtet in Workshops, Publikationen und Aufnahmen auf ein besseres Verständnis für vorhandene Ökologien hin.

MSHR ist das Kunstkollektiv, das aus Birch Cooper und Brenna Murphy besteht. Das Duo baut und erforscht Systeme, die Zugänge zu ekstatischen sinnlichen Erlebnissen aufdecken. Sie arbeiten an der Schnittstelle von digitaler Skulptur, analogen Schaltkreisen und zeremonieller Performance. Ihre physischen Projekte drehen sich in erster Linie um analoge Licht-Ton-Rückkoppelungen, die aus den Makroarrangements ihrer skulpturalen Synthesizer gebaut sind. Auf der virtuellen Seite weben sie computergenerierte Porträts interdimensionaler Entitäten und psychedelischer Reiche. Die physischen und virtuellen Aktivitäten prägen sich wechselseitig zutiefst und werden zu einer Hypergestalt, die beide beherbergt.

Die Filme von Ulrike Ottinger sind von einer Faszination für Orte geprägt, einer topischen und topologischen Neugier, das ihre Wanderlust befeuert, welche fantastische wie reale Lokalitäten einschließt, vom unglaublich gespenstischen Berlin des frühen Freak Orlando und dem in Nostalgie gehüllten Wien aus Prater bis hin zu den riesigen, weiten Steppen Zentralasiens in Taiga und den geschäftigen Banketten des heutigen Seoul in The Korean Wedding Chest. Ottingers fiktive Filme bieten das Kaleidoskop einer karnevalesken Sicht auf die Welt. Sie inszenieren unvorhersehbare Begegnungen mit einer bemerkenswert gemischten Besetzung aus „Freaks“, Außenseitern, Liebenden, Piraten, Räubern, Malochern und ihren Gegenspielern. Im Gegensatz dazu legen Ottingers erkenntnisreiche Dokumentarfilme ihr Augenmerk auf die alltägliche Realität von Durchschnittsmenschen und sind darum nicht weniger bunt und überschäumend in ihrer beherzten Suche nach der spielerischen und poetischen Schnittstelle von Tradition und Gegenwart.

Ben Russell ist ein Medienkünstler und Kurator, dessen Arbeit an der Schnittstelle von Psychedelika, Phänomenologie, Performance und Ethnografie liegt. Seine Filme, Installationen und Interventionen finden in direkter Auseinandersetzung mit der Geschichte der bewegten Bilder statt und bieten eine Zeit-basierte Untersuchung in Trance-Phänomene sowie Anklänge an die Forschungen von Jean Rouch und Maya Deren und anderen. Er nimmt als Künstler an der documenta 14 teil.

Makino ist einer der aktivsten japanischen Avantgarde-Filmemacher. Er lebt in Yokohama und hat über 33 Kurzfilme gedreht. Darüber hinaus arbeit er seit 1997 mit Installationen, Collagen und Musikaufnahmen. Sein Werk wurde auf zahlreichen Filmfestivals in aller Welt, aber auch in Kunstmuseen und Galerien gezeigt.

Gepostet in Filmprogramm
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