Arben Basha

Arben Basha, I Will Write, 1971, Öl auf Leinwand, Sammlung Nationale Kunstgalerie, Tirana, Installationsansicht, EMST – Nationales Museum für Zeitgenössische Kunst, Athen, documenta 14, Foto: Mathias Völzke

Arben Basha (geboren 1947 in Tirana) ist hauptsächlich für seinen Beitrag zum sozialistisch-realistischen Film Albaniens bekannt. Er war viele Jahre Kulissenmaler beim „Kinostudio Shqiperia e Re“ (dem Studio „Neues Albanien“), das sämtliche Produktionen und den Vertrieb von Spiel- und Dokumentarfilmen im Land kontrollierte. Er war außerdem an etlichen Auftragsfilmen beteiligt, die im Rahmen verschiedener politischer Kampagnen der 1970er Jahre entstanden und deren Inhalte verbreiteten. Erste Erfahrungen in diese Richtung sammelte er bei der Arbeit an dem Film Thirrja (Berufung), in dessen Mittelpunkt die Figur eines Veterinärmediziners steht. Dieser Mann hört eines Tages während einer Taxifahrt im Radio einen Aufruf der Partei an Fachkräfte aller Art, sich an der Entwicklung des ländlichen Albaniens zu beteiligen. Unmittelbar darauf gibt er seine Stelle an der Universität auf und zieht in ein abgelegenes Dorf. Dort kämpft er mit vielen Problemen und Vorurteilen, die in der immer noch „rückständigen“ Denkweise auf dem Land wurzeln, doch er überwindet alle Hindernisse, bringt die Verhältnisse vor Ort in Bewegung und verändert im Zuge dessen auch sich selbst.

Bashas Gemälde I Will Write (Ich werde schreiben) entstand 1971, also in den wenigen Jahren, in denen die Partei ihren Würgegriff um die Kunst und Kultur ein wenig lockerte. Schriftsteller_innen, Künstler_innen und Musiker_innen konnten nun in ihrer Arbeit ein wenig vom strengen Kanon der Darstellung abweichen, der zuvor jegliches Kulturschaffen bis ins Detail reguliert hatte. Da dies zugleich die Hochzeit der Kampagne Emancipimi I Gruas („Emanzipation der Frauen“) war, galt ein großer Teil der Kulturproduktion der Darstellung von Frauen, mit Schwerpunkt auf deren neu erworbenem Stellenwert als Angehörigen der Arbeitskraft in den städtischen Fabriken, an Universitäten und Schulen. In diesem Zusammenhang malte Basha eine Oberschülerin, leicht zu erkennen an ihrer schwarzen Schuluniform (und am Fehlen des roten Pionierhalstuchs, das nur von jüngeren Schüler_innen getragen wurde). Im Gegensatz zur üblichen Darstellung junger Erwachsener in dieser Zeit, die meist entschlossenes, unmittelbares Handeln im Hier und Jetzt zum Inhalt hatte, verharrt die Jugendliche in Bashas Bild in einem Schwellenraum, in dem sich die Zukunft noch nicht konkretisiert hat und man noch von ihr träumen kann. Vor dem Hintergrund der etwas toleranteren Haltung in Kulturfragen erlaubte es dieses Sujet, die junge Frau in eine Atmosphäre der Tagträumerei zu hüllen. Vorsichtig lässt Basha synthetistische, wahrscheinlich von Paul Gauguin angeregte Merkmale in seinen Stil einfließen. Er gliedert die Bildfläche durch flache Farbmassen, kräftige Linien und Kontraste. Die verschatteten Augen der Figur wirken geheimnisvoll. Diese erscheint in einem Schwebezustand (kein Stuhl ist zu sehen), der die träumerische Wirkung des Bildes noch verstärkt. Angesichts eines Kanons, der verlangte, dass alle Dinge einen festen Stand auf dem Boden haben und in hellem Tageslicht gezeigt werden mussten, waren das mutige Entscheidungen. Auch das blütenweiße Papier – ein Verweis auf den schöpferischen Impuls – konnte ideologisch problematisch sein (niemand sollte Zweifel haben, was auf Papier festzuhalten ist). Zugleich werden mögliche, angesichts der Leere vielleicht aufkommende Zweifel durch die Inhalte der Landschaft im Hintergrund aufgefangen. Man sieht eine Ansammlung von Fabriken und Silos, in golden schimmerndes Licht getauchte Wohnbauten und üppige Vegetation – allesamt unmissverständliche Auslöser der „richtigen“ Art von Gedankenassoziation. Die Erzählung ist längst geschrieben und wartet nur noch darauf, ihren Weg auf die noch leeren Blätter zu finden.

—Edi Muka

Gepostet in Öffentliche Ausstellung
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