Keimena #38: Ismyrna (Ismyrne)
von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige

Montag, 4. September 2017, 24.00 Uhr auf ERT2
Ismyrna, 2016, Libanon/Frankreich/Vereinigte Arabische Emirate, 50 Min.
Regie: Joana Hadjithomas und Khalil Joreige

Ismyrna, bei dem die libanesischen Künstler_innen Joana Hadjithomas und Khalil Joreige gemeinsam Regie führten, beschäftigt sich mit Fragestellungen der Identität, der Zugehörigkeit und des Nationalismus. Hadjithomas und Joreige begannen nach den Libanonkriegen in den frühen 1990er Jahren zusammenzuarbeiten. Die beiden verstehen sich selbst als Forscher_innen, die sich unterschiedlicher Medien bedienen – Film, Installation, Performance, Foto, Skulptur –, um Bilder, Repräsentationen, das Erzählen von Geschichten und die Historiografie zu befragen.

Als Joana Hadjithomas die Bekanntschaft der Künstlerin und Dichterin Etel Adnan machte, entdeckten beide eine Gemeinsamkeit: ihre familiären Beziehungen zu einer Stadt, die sie selbst nie besucht hatten – Smyrna, die heute den Namen Izmir trägt, an der ägäischen Küste der Türkei. Beide begannen sich daraufhin mit Fragen zu beschäftigen, die durch die Weitergabe von Geschichten aufgeworfen werden, und befassten sich mit ihrer Verbundenheit mit Gegenständen, Orten, Mythologien und Fantasiekonstruktionen ohne Bilder. Joanas griechische Familie väterlicherseits wurde nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches von Smyrna aus von der türkischen Armee ins Exil getrieben. Etels griechische Mutter wurde in Smyrna geboren, heiratete einen syrischen Offizier der Osmanischen Armee und zog nach dem Zusammenbruch des Reiches in den Libanon.

Wie gehen wir mit dem Leid unserer Eltern um? Wie vermögen wir frei von Nostalgie im Heute zu leben, in dem also, was Etel „immerwährende Gegenwart“ nennt? Die persönlichen Geschichten der beiden Frauen bilden den Hintergrund, vor dem sich die radikalen Veränderungen abspielen, die im Nahen Osten nach dem Fall des Osmanischen Reiches und dem Auftauchen neuer Grenzen stattfanden. Im Verlauf des Films erweist sich die Dichtung als ein Werkzeug des Widerstands.

—Joana Hadjithomas und Khalil Joreige

Gepostet in Öffentliches Fernsehen am 04.09.2017
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