34 Freiheitsübungen: #18 Soundscapes of Detention: Music and Torture under the Junta (1967–74)
von Anna Papaeti

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Ana Papaeti, Eröffnung der Öffentlichen Programme der documenta 14 im Parko Eleftherias, Foto: Stathis Mamalakis

Obwohl die Folter in der Zeit der griechischen Militärherrschaft (1967–1974) eingehend untersucht wurde, obwohl sie auch in wichtigen Gerichtsverhandlungen in Straßburg (1968–1969) und in Griechenland (in den so genannten „Foltererprozessen“ von 1975) Aufarbeitung erfuhr, hat die Nutzung von Musik und Ton zur Misshandlung von Menschen bisher nur wenig Beachtung erfahren. Diese auffällige Leerstelle und das Schweigen im Diskurs haben mit der restriktiven Definition der Folter für die Zwecke der Foltererprozesse von 1975, aber auch mit dem humanistischen Glauben an die Musik als eine inhärent gute und aufklärerische Kunstform zu tun. Der Missbrauch von Musik durch repressive Regimes der Vergangenheit erzählt eine andere Geschichte. Es ist ein Akt kritischer Freiheit, das nicht leicht fassbare Potenzial der Musik zur Schädigung menschlicher Subjekte öffentlich zu erörtern.

Anna Papaetis Vortrag geht dem Einsatz von Musik und Ton zum Zweck des Terrorisierens, Demütigens und „Brechens“ politischer Gefangener nach. Ausgehend von neuen Befragungen Überlebender und unter Zuhilfenahme bislang übersehener Zeugnisse in den bekannten Quellen zeigt sie, wie Musik und Ton in den Haftanstalten der Sicherheitskräfte (in Athen und Piräus) sowie von der Sonderverhör-Einheit der griechischen Militärpolizei (EAT/ESA) als Folterwerkzeuge genutzt wurden. Insbesondere geht es dabei um die Praktiken der EAT/ESA im Kontext der damals modernsten Verhörmethoden als Vorgeschichte zu gegenwärtigen Formen von akustischer Folter, wie sie zuletzt im so genannten Krieg gegen den Terror zum Einsatz kamen.

Anna Papaeti hat ein PhD in Musikwissenschaften am King's College, University of London, erworben und für die Royal Opera House Media in London (2004-2006) sowie als dramaturgische Assistentin an der Griechischen Nationaloper (2006-2009) gearbeitet. Ihre Postgraduiertenforschung umfasste ein DAAD-Stipendium für Studien an den antifaschistischen Arbeiten Bertolt Brechts und Hanns Eislers nach dem Krieg (Berlin 2010), sowie ein Marie Curie Intra-European Fellowship (Universität Göttingen, 2011-2014). In Letzterem ging es um den Einsatz von Musik zur Manipulation und Folter in der Zeit der griechischen Militärdiktatur (1967-1974). Papaeti hat ausführlich in Sammelbänden und wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert. Sie hat zwei Sonderbände über Musik und Folter und Musik im Gefängnis herausgegeben und bezieht derzeit ein Stipendium der Onassis Foundation.

Gepostet in ­­­Öffentliche Programme
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