Gandhara-Skulpturen

Gandhara-Skulpturen, Sammlung Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst, Installationsansicht, Neue Galerie, Kassel, documenta 14, Foto: Mathias Völzke

Kopf eines fastenden Buddha (2.–3. Jh. n. Chr.)

Über 5.000 Kilometer liegen zwischen Athen und Kabul in Afghanistan, zwischen Rom und Peshawar in Pakistan. Trotz dieser großen Entfernungen kam es schon in der Antike zu intensiven Kulturkontakten zwischen Ost und West. Zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert unserer Zeit erblühte auf dem Gebiet des heutigen Nordwestpakistan die Gandhara-Kunst. In ihren buddhistischen Bildwerken verschmolz Mittelmeerisch-Antikes, damals aufregend zeitgenössisch, mit Indischem und Iranischem zu einem neuen harmonischen Ganzen. Ein Buddha zwischen korinthischen Säulen, ein Herakles als Begleiter des Buddha waren in dieser frühen buddhistischen Bildwelt selbstverständlich. Ermöglicht wurde diese kosmopolitische Bildsprache im Dienste einer indischen Religion durch die Ausbreitung hellenistischer Reiche bis ins Innerste Zentralasiens (4. Jahrhundert v. Chr. bis 1. Jahrhundert v. Chr.), durch Migrationen unterschiedlich „hellenisierter“ Völkerschaften von Zentral- nach Südasien, schließlich auch durch den sprunghaft angestiegenen Fernhandel des Imperium Romanum mit Indien (ab dem 1. Jahrhundert n. Chr.). Denn Gandhara war eingebunden in das Wegenetz der Seidenstraße. Der stete Zufluss von Menschen unterschiedlichster Prägung, von Ideen und Formen, machte Gandhara zu einer frühen Bühne globaler Vernetzung.


Siddhartha Gautama beendet sein Fasten (2.–3. Jahrhundert n. Chr.); Maras Angriff (2.–3. Jahrhundert n. Chr.); Von Stadt zu Stadt predigender Buddha (2.–3. Jahrhundert n. Chr.)

Die Gandhara-Kunst zeigt den Buddha als schmucklosen Mönch mit haarknotenförmigem Schädelauswuchs auf dem Kopf und einer Haarflocke auf der Stirn. Die langgezogenen Ohrläppchen, die abgelegter Ohrschmuck hinterlassen hat, sind Zeichen seiner Weltentsagung. Zunächst erprobte sich der Buddha in jahrelangem Fasten. Ausgemergelt war er, bis auf die Knochen. Doch befreite ihn die extreme Selbstkasteiung nicht von unerwünschter Leidenschaftlichkeit. Als Pfad zu innerem Frieden erarbeitet der einstige Prinz nun eine sanftere Methode, den „mittleren Weg“: das stille Sitzen in Atembetrachtung (Meditation), in Verbindung mit ethischem Handeln. Bevor er auf diesem Weg zum Buddha, dem Erwachten, wurde, musste er den Versuchungen des Mara (des Herrn über die Sinnenwelt und die Leidenschaften) standhalten. Mara störte Buddhas Meditation mit Unruhe aller Art. Er erschreckte ihn mit Fratzen, Lärm, drohte mit Gewalt, schickte ihm in Form seiner Töchter aber auch sinnliche Verführung. Damit wollte er ihn von seinem spirituellen Durchbruch abhalten. Doch die Szene vom Angriff des Mara zeigt: der meditierende Buddha bildete eine Aura der Ruhe um sich, der Mara nichts mehr anhaben konnte. Der Buddha erlangte die Erleuchtung. Bald zog der Erhabene als geachteter Bettelmönch und Wanderprediger umher und verkündete den „mittleren Weg.“ Mit den ersten Bekehrungen war der Buddhismus geboren.

Gepostet in Öffentliche Ausstellung
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