South as a State of Mind

Das Magazin South as a State of Mind wurde 2012 von Marina Fokidis in Athen gegründet. Seit Anfang 2015 ist es für insgesamt vier Sonderausgaben das Magazin der documenta 14. Herausgeber sind Quinn Latimer, Chefredakteurin der Publikationen, und Adam Szymczyk, Künstlerischer Leiter der documenta 14. Die vierte und letzte Sonderausgabe erscheint im Sommer 2017. Das Magazin der documenta 14 war von Anfang an als Ort der Forschung, Kritik, Kunst, Politik und Literatur konzipiert, das das Projekt in den Jahren der Ausstellungsvorbereitung begleiten und dazu beitragen sollte, seine Anliegen und Ziele zu formulieren. In dieser Form ist South weniger das diskursive Objektiv, durch das die in den Ausstellungen angesprochenen Themen lediglich angekündigt würden, sondern vielmehr eine Manifestation der documenta 14 selbst. Schreiben und Publizieren sind in all ihren Erscheinungsformen integraler Bestandteil der documenta 14 und das Magazin dient als Sprachrohr dieses Prozesses. In der Online-Ausgabe von South erscheinen Texte der Print-Ausgabe in drei Sprachen: Englisch, Griechisch und Deutsch.

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Issue #9 [documenta 14 #4]

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Im Laufe des vergangenen Jahres haben wir wiederholt nach Büchern und Texten über Gewalt gegriffen. Vielleicht aus dem Impuls heraus, ein Verständnis dessen zu gewinnen, was wie Wellen um uns herum anschwillt und uns in all seinen vielfältigen, ansteigenden Formen zu begraben droht: wirtschaftliche Gewalt, sprachliche Gewalt, politische Gewalt, ökologische Gewalt, sexistische und rassistische Gewalt. Für diese vierte und letzte Ausgabe von South as a State of Mind der documenta 14 schien es daher notwendig, abschließend die Gewalt als eines der konstitutiven Elemente unserer Welt zu benennen. Woraus sich die Frage ergab: Was könnte dieser Kultur der Gewalt sowohl des Geistes wie der Handlung entgegengesetzt werden? Welche Kraft wäre dazu geeignet? Was wäre angesichts dieser Gewalt zu entwickeln? Unsere Frage bleibt; doch bei erneuter Reflexion realisieren wir, dass es genau diese Frage war, die unsere Vision als Herausgeber des Magazins der documenta 14 und dessen vier Sonderausgaben von South von Anfang an geleitet hat. Unter dem dunklen Stern dieser Frage – was können wir darbringen, und welche Formen können diese Darbringungen annehmen? – lautet das Arbeitsthema der vorliegenden Ausgabe also „Gewalt und Darbringung“. Wenn der letztere Begriff sowohl ein Geschenk wie ein Opfer impliziert, so beschreibt er gleichermaßen eine andere Art der Beziehung zur Gemeinschaft, zur Gesellschaft oder zum Anderen. So untersuchen die Arbeiten in der vorliegenden Ausgabe von South, wie Gewalt unsere Beziehungen in und zur Welt strukturiert, sowie die disparaten – sprachlichen, bildlichen, klanglichen – Darbringungen, die als kulturelle Bewegung der Opposition dagegen beständig geschaffen werden. Antonin Artaud schrieb einmal: „Es gibt nicht genug Zeitschriften oder, wenn man will, alle existierenden Zeitschriften sind nutzlos. Wir erscheinen, weil wir glauben, dass wir eine Antwort auf etwas bieten. Wir sind real. Dies entbindet uns davon, notwendig zu sein. Es müßte ebenso viele Zeitschriften geben, wie es gültige Geisteszustände gibt.“ Als wir 2015 mit der Arbeit an South begannen, taten wir dies auf Grundlage der Überzeugung, dass wir eine Antwort auf etwas bieten. Vielleicht, wie Artaud schreibt, entband uns diese Überzeugung davon, notwendig zu sein. Doch damals glaubten wir, wie auch heute noch, dass es ebenso viele Magazine geben sollte wie Denkweisen, seien sie südlich oder nicht. Das Magazin der documenta 14 war die Manifestation einer (oder vieler) dieser Denkweisen. Wir danken Ihnen fürs Lesen.

Mit Beiträgen von Domenick Ammirati, Antonin Artaud, James Baldwin, Cassandra Barnett, Walter Benjamin, Lorenza Böttner, Jane Bowles, Andris Brinkmanis, Jon Bywater, Banu Cennetoğlu, Yll Çitaku und Nita Deda, Yael Davids, Angela Y. Davis, Richard Fletcher, Marina Fokidis, Susan Hiller, Kim Hyesoon, Naveen Kishore, Katerina Koskina, Asja Lācis, Quinn Latimer, Robin Coste Lewis, Ulrich Loock, John Miller, Rosalind Nashashibi, Sean O’Toole, Véréna Paravel und Lucien Castaing-Taylor, Hila Peleg, Paul B. Preciado, Laura Preston, Gene Ray, Ben Russell, Ahlam Shibli, K. G. Subramanyan, Vivian Suter, Adam Szymczyk und Diana Taylor

South as a State of Mind #9 [documenta 14 #4]
Herbst/Winter 2017
Herausgegeben von Quinn Latimer und Adam Szymczyk

300 × 230 mm, 280 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, in englischer Sprache

ISSN 2241-3901
ISBN 978-3-86335-847-1

15 Euro

Issue #8 [documenta 14 #3]

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ökologie hat eine griechische Wurzel: oikos meint den gesamten Lebensraum, das Haus, oder die Familie – ein Ökosystem gegenseitiger Abhängigkeiten („Ökonomie“ hat dieselbe Wurzel). Wir verstehen unter Ökologie heute die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt beziehungsweise der Interdependenz von Menschen und ihren Institutionen. Hier liegt der Schwerpunkt der auf den folgenden Seiten versammelten Arbeit. „Diese Lehre lässt sich ziehen“, schreibt die Dichterin Linda Hogan, eine Angeghörige des nordamerikanischen Volks der Chickasaw: „Was den Menschen widerfährt und was dem Land widerfährt, ist dasselbe.“ Die Inhalte der dritten von der documenta 14 herausgegebenen Ausgabe des Magazins South as a State of Mind haben also mit der andauernden Korrelation von Natur, Kapital, Macht und Sprache zu tun. In diesem Sinn sind die folgenden Beiträge Dokumente der Sprache, des Hungers, oder beider zugleich. Warum „Sprache oder Hunger“? Angenommen, der Mund wäre eine Grenze, eine Begrenzung, eine Schwelle: Schlucken oder Sprechen. Leere oder Sprache (oder ihr Aufeinandertreffen). Auf der einen Seite, innen, spürt man körperlichen Hunger, eine Leere; auf der anderen Seite, außen, stößt man Sprache aus (vielleicht in eine andere Leere). Daher kann Sprache – da man in sie hinein geboren wird, oder sie wiederfindet, oder eine neue erschafft, eine Art Lexikon – Nährmittel sein, Hunger aber eine Form von Widerstand. So artikulieren die neuen Essays, Gedichte, Skripte, Kunstprojekte und älteren Manifeste und Parabeln in dieser Ausgabe die Notwendigkeit von Sprache, und sie betrachten zugleich Konsum und Hunger als politische und ästhetische Tatsachen und Felder, die unsere Vergangenheit geprägt haben und den Bau unserer gemeinsamen Zukunft bestimmen werden. „Heute“, schreibt Nabil Ahmed, „steht die ökologische Krise, die sich vor dem Hintergrund der noch bestehenden, dunklen Paarung von Kapitalismus und Kolonialismus entfaltet, paradigmatisch für einen solchen negativen Moment.“ Es ist diese „dunkle Paarung“, auf die wir unser Hauptaugenmerk legen. Wenn die „Ausbildung einer antikapitalistischen politischen Ökologie, die strukturell, sozial, psychisch und umweltbezogen zugleich ist“, wie Nabil bekundet, Aufmerksamkeit für die Gewalt gegen die Umwelt voraussetzt, so glauben wir auch, dass ein Bewusstsein für die Bedeutung von Sprache in diesem Prozess, ob als Mittäterschaft oder Widerstand, ob psychisch oder strukturell, dabei ebenso wichtig ist. Sprache oder Hunger – zweierlei Grenzen. Eine Frage auch (für Sie).

Mit Beiträgen von Nabil Ahmed, Nairy Baghramian, Sotirios Bahtsetzis, Stefan Benchoam, Ross Birrell, Moyra Davey, Hendrik Folkerts, Gauri Gill, Natasha Ginwala, Gordon Hookey, Tshibumba Kanda Matulu, Christos Karakepelis, Quinn Latimer, Tina Modotti, Joaquín Orellana, Neni Panourgiá, Synnøve Persen, Pope.L, Gene Ray, Lisa Robertson, Glauber Rocha, Dieter Roelstraete, Roee Rosen, Lala Rukh, Julio Santos, Savitri Sawhney, Monika Szewczyk, Adam Szymczyk, Alejandro Torún, Rajesh Chaitya Vangad, Cecilia Vicuña und Vivian Ziherl

South as a State of Mind #8 [documenta 14 #3]
Herbst/Winter 2016
Herausgegeben von Quinn Latimer und Adam Szymczyk

300 × 230 mm, 260 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, in englischer Sprache

ISSN 2241-3901
ISBN 978-3-86335-846-4

15 Euro

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Issue #7 [documenta 14 #2]

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Schweigen als Widerstand; Masken als Widerstand. Beides auf vielleicht paradoxe Weise Mittel des Handelns und des Sprechens, Formen ästhetischer und politischer Partizipation. Wenn Wörter und Bilder sich für kritische Auseinandersetzungen anwenden lassen, dann können Schweigen und Masken, die den Anspruch auf eine selbstverständliche Wahrheit aufgeben, dazu beitragen, die Konturen der politischen Aussage schärfer zu umreißen, da sie für die Notwendigkeit einstehen, sich mit dem Wirklichen zu befassen – ohne dabei jedoch in die Fallstricke der unmittelbaren Repräsentation zu geraten. In Form von Essays und Allegorien, künstlerischen Projekten und Gesprächen, Dichtung und Erzählungen widmet sich die zweite Ausgabe von South as a State of Mind der documenta 14 Fragen der Maskierung von Identität und des Verstummens von Dissens, von Mündlichkeit und Anerkennung, Indigenität und Exil, Provenienz und Restitution sowie kolonialer und sexueller Gewalt. Wir untersuchen Masken und legen sie an, da wir sie als historische wie zeitgenössische Mittel der Verschleierung oder der Subversion verstehen, welche häufig dazu dienen, sich der Art und Weise zu widersetzen, wie unseren Körpern in der unmenschlichen Verknüpfung und der globalen Ökonomie von Nationalität, Geografie, Rasse und Gender ein ungleiches Maß an Grundrechten gewährt wird. Darüber hinaus erkunden wir zugleich das Schweigen – eine der vielen Masken der Sprache – als eine Antwort auf die leere Autorität und den Autoritarismus so vieler Aussagen, der anhaltenden sprachlichen Flut von nationalistischer Propaganda, neoliberalen Predigten und kodierter Gewalt. Uns gilt das Schweigen als ein notwendiger Aspekt der Sprache, als eine Möglichkeit, eine Form der radikalen Rezeption anzubieten. Denn stumm zu sein verweist nicht nur auf Widerstand, sondern auch auf Empfänglichkeit und Anerkennung. Wie Stathis Gourgouris beobachtet: „Man lauscht dem Universum noch vor allem anderen.“ Die in dieser Ausgabe von South versammelten Stimmen und Körper, ob sie sich entziehen oder empfänglich sind, schmuckvoll und herausfordernd, vielfach verdrängt und sich verwandelnd, zeigen, dass Schweigen und Masken oftmals die Mittel darstellen, durch die Ästhetik und Politik, Kulturschaffen und politischer Protest aufeinandertreffen und ineinander übergehen. „Doch wer spricht in diesem Raum voller Augen?“, fragt Alejandra Pizarnik. „Wer kaut mit einem Mund aus Papier? Namen tauchen auf, Schatten mit Masken.“ Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Mit Beiträgen von Maria Thereza Alves, Andreas Angelidakis, Mustapha Benfodil, María Magdalena Campos-Pons, Barbara Casavecchia, Mariana Castillo Deball, Clémentine Deliss, Mahasweta Devi, Elsa Dorlin, Hendrik Folkerts, Regina José Galindo, Stathis Gourgouris, John Hejduk, Candice Hopkins, Joan Naviyuk Kane, Frédéric Keck, Quinn Latimer, Alejandra Pizarnik, Jolene Rickard, Léopold Sédar Senghor, Gayatri Chakravorty Spivak, Subcomandante Marcos und Adam Szymczyk

South as a State of Mind #7 [documenta 14 #2]
Frühjahr/Sommer 2016
Herausgegeben von Quinn Latimer und Adam Szymczyk

300 × 230 mm, 228 S., zahlreiche Farb- und Schwarzweiß-Abb., in englischer Sprache

ISSN 2241-3901
ISBN 978-3-86335-845-7

10 Euro

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Issue #6 [documenta 14 #1]

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Ausgewählte Seiten aus South as a State of Mind

Eigentum und Enteignung, Vertreibung und Schulden – die Geschichten, die unsere Gegenwart bestimmen, scheinen untrennbar mit den Geschichten verbunden zu sein, die unsere Vergangenheit bestimmt haben. Die erste von vier Sonderausgaben von South as a State of Mind, das temporär zum Magazin der documenta 14 umgestaltet wird, untersucht Formen und Figuren von Vertreibung und Enteignung sowie die darin aufzuspürenden Praktiken des – ästhetischen, politischen, literarischen, biologischen – Widerstandes. Neue literarische wie auch visuelle Essays beschäftigen sich mit dem Ort der Enteignung innerhalb von Performativität, staatlicher Gewalt, Architektur, Sexualpolitik und Protest. Präsentiert werden außerdem historische Dokumente zu Enteignung und Schulden sowie ein Fotoessay über Aufbau und Brand des Wissens, der sich mit Bibliotheken und Tempeln beschäftigt, den Gebäuden des Lernens und Wissens als Embleme von Hegemonie und Schutzräume für Ideen. Die Intensität unserer gegenwärtigen politischen Verhältnisse und die Herausforderungen unserer globalen ökonomischen Welt können nicht überbewertet werden („Übertreibe ich? Vielleicht untertreibe ich“, schreibt die Schriftstellerin Bhanu Kapil auf diesen Seiten), doch die Mittel des Protests sind reich und vielfältig. Das hier versammelte Kollektiv von Stimmen bietet zusammen mit den oft abweichenden und marginalisierten Geschichten, die sie beschreiben und auf die sie sich beziehen, eine alternative Kartografie. Wir glauben, dass sie uns dadurch die Mittel bereitstellen können, über Alternativen für unsere unhaltbare Gegenwart und unüberschaubare Zukunft nachzudenken und sie zu beschreiben. „Der Lernprozess ist etwas, das man anstiften kann, wortwörtlich anstiften, wie einen Aufstand“, schreibt Audre Lorde. Diese Hoffnung teilen wir.

Mit Beiträgen von Alexander Alberro, Katerina Anghelaki-Rooke, Aristide Antonas, Hannah Arendt, Pierre Bal-Blanc, Miriam Cahn, Manthia Diawara, Angela Dimitrakaki, Maria Eichhorn, Fouad Elkoury, Marina Fokidis, Peter Friedl, Hans Haacke, Bhanu Kapil, Quinn Latimer, Yorgos Makris, Jonas Mekas, Marta Minujín, Naeem Mohaiemen, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Linda Nochlin, Paul B. Preciado, Thomas Sankara, Brandon Shimoda, Sven Stilinović, Adam Szymczyk, Françoise Vergès, Kaelen Wilson-Goldie und Stefan Zweig

South as a State of Mind #6 [documenta 14 #1]
Herbst/Winter 2015
Herausgegeben von Quinn Latimer und Adam Szymczyk

230 × 300 mm, 262 S., zahlreiche Farb- und Schwarzweiß-Abb., in englischer Sprache

ISSN 2241-3901
ISBN 978-3-86335-844-0

10 Euro

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