Keimena #7: Manazil bela abwab (Houses Without Doors)
von Avo Kaprealian

Aufgrund von Urheberrechtsbeschränkungen kann nur ein kurzes Segment des Films hier gezeigt werden.

Montag, 30. Januar 2017, 24.00 Uhr auf ERT2
Manazil bela abwab (Houses Without Doors), 2016, Syrien/Libanon, 90 Min.
Regie: Avo Kaprealian

Houses Without Doors ist die subjektive und intime Chronik des Überlebens einer syrisch-armenischen Familie in Aleppo zwischen 2011 und 2014, als der zivile Aufstand sich zu einem bewaffneten Konflikt auswuchs. Wie viele andere in Syrien fühlte sich der Regisseur in der Pflicht, die außergewöhnlichen Ereignisse während dieses Aufstands zu dokumentieren. Auch als sich die Gewalt immer mehr seinem Viertel näherte und das Filmen auf der Straße gefährlich wurde, ließ er sich nicht abschrecken und filmte vom Balkon der Wohnung seiner Familie im Stadtviertel Midan aus unbeirrt weiter. Durch das Objektiv seiner Kamera hindurch werden wir Zeugen davon, wie sich die Stadt nach und nach in ein Schlachtfeld verwandelt. Schließlich wendet sich der Blick durch seine Linse, und er filmt seine Familie, wie sie durchhält in einem Alltag, der im Schatten des Bürgerkriegs steht: einem Alltag voller Stromausfälle, Milizen, Scharfschützen und Bombardements.

Saltis Vater, der Vergeltungsmaßnahmen und Repressalien fürchtet, rügt ihn nervös immer wieder, während die Mutter direkt in die Kamera spricht, sich an Ereignisse erinnert und ihre Emotionen ohne jede Zurückhaltung zeigt. Schon bald sieht sich die Familie vor die Frage gestellt, ob sie bleiben oder weggehen soll. Für sie wie für alle armenischen Syrer, die Nachkommen der Überlebenden des Genozids an der armenischen Bevölkerung in der Türkei zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind, lässt die Vorstellung eines erzwungenen Exils traumatische Erinnerungen wach werden. Die Erinnerung an diesen Genozid wird durch Familiengeschichten, Lieder, Gedichte und Romane lebendig gehalten. Es gibt nur wenige Originalbilder von jenen Ereignissen, und das Erzählkino, das über die Jahrzehnte hinweg zu diesem Thema entstanden ist, bildet ein visuelles Archiv der kollektiven Erinnerung an sie. Um den quälenden Zwiespalt hinsichtlich der Entscheidung, ihr Zuhause in Aleppo zu verlassen, deutlich zu machen, zitiert Kaprealian Sequenzen aus anderen Filmen und transformiert so ein Archiv imaginierter Fiktionen in ein Archiv gelebter Erfahrung.

—Rasha Salti, Kuratorin und Autorin

Gepostet in Öffentliches Fernsehen am 30.01.2017