Keimena #34: Rak ti Khon Kaen (Cemetery of Splendour)
von Apichatpong Weerasethakul

Aufgrund von Urheberrechtsbeschränkungen kann nur ein kurzes Segment des Films hier gezeigt werden.

Montag, 7. August 2017, 24.00 Uhr auf ERT2
Rak ti Khon Kaen (Cemetery of Splendour), 2015, Deutschland/Frankreich/Großbritannien/Thailand, 122 Min.
Regie: Apichatpong Weerasethakul

Rak ti Khon Kaen ist der siebte Spielfilm des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul. In einer Provinzstadt im Nordosten Thailands werden Soldaten, die auf einer Baustelle arbeiten, von einer merkwürdigen Schlafkrankheit befallen und in einer provisorisch errichteten Klinik behandelt. Zwischen zweien ihrer freiwilligen Betreuerinnen entwickelt sich eine Freundschaft, und die beiden finden heraus, dass die Grabungsarbeiten die Ruhe eines antiken königlichen Friedhofs gestört haben, der direkt unter der Klinik liegt, was zum Ausbruch der geheimnisvollen Krankheit geführt hat.

Krankheit ist das zentrale Thema im Werk Apichatpongs. Sie ist Verweis nicht bloß auf physische, sondern gerade auch auf gesellschaftliche und historische Krankheiten – auf eine gemeinsame Pathologie. Der Film wurde veröffentlicht, nachdem Thailand sich 2014 wieder zu einer Militärdiktatur gewandelt hatte, also zu einer Zeit akuter Unsicherheit. Sie wurde noch verschärft durch den sich verschlechternden Gesundheitszustand von König Bhumipol, der im folgenden Jahr verstarb, nachdem er sieben Jahrzehnte lang den Thron innegehabt hatte. Dennoch ist es nicht leicht, die politische Frustration, die den Film antreibt, auszumachen, denn er wird von einer Gelassenheit durchflutet, die zum Markenzeichen des Regisseurs geworden ist: seiner Leichtigkeit im Umgang mit den diesseitigen Vorkommnissen des modernen Lebens, dem unheimlichen Verkehr mit spirituellen Entitäten und den Kreuzungspunkten und Zusammenstößen dieser beiden Faktoren.

Rak ti Khon Kaen legt nahe, dass das, was unterdrückt wird, stets seinen Weg in unsere Alltagswirklichkeit finden wird und dass die Welt, in der wir leben, nicht von denjenigen Welten getrennt ist, von denen wir träumen. Obwohl er unmissverständlich im Hier und Jetzt angesiedelt ist, handelt der Film von einer Gegenwart, die von der Vergangenheit, dem Alten und den jüngsten Ereignissen durchdrungen ist – es ist eine Landschaft, die sich erinnert. Hier besuchen uns die Toten gleich alten Freunden, und das, was wir unter die Erde zu bringen trachten, bleibt nicht für immer begraben.

—David Teh, Kurator, Kritiker und Assistenzprofessor an der Abteilung für Englische Sprache und Literatur der Nationaluniversität von Singapur

Gepostet in Öffentliches Fernsehen am 07.08.2017