Keimena #18: Nespatřené (The Unseen)
von Miroslav Janek

Aufgrund von Urheberrechtsbeschränkungen können hier nur Filmstills gezeigt werden.

Montag, 17. April 2017, 24.00 Uhr auf ERT2
Nespatřené (The Unseen), 1996, Tschechische Republik, 53 Min.
Regie: Miroslav Janek

„Manchmal denke ich mir, ich sollte aufgeben – aber man soll das Leben leben“, sagt ein blinder Junge in Miroslav Janeks The Unseen. Dieser preisgekrönte Dokumentarfilm spielt in einer Schule für sehbehinderte Kinder in Prag. Lange Zeit blieben Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen dort dem Blick der Öffentlichkeit entzogen, sie waren nicht sichtbar. Janeks Film korrigiert dies nun und ermöglicht es den Kindern, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Im Laufe des ganzen Films bekommen wir keine Erwachsenen zu sehen, mit Ausnahme des Beins eines Betreuers und eines Porträts des Kameramanns. Diese beiden Bilder wurden von den Kindern selbst aufgenommen und bilden den konzeptionellen Rahmen von The Unseen. Wir hören die Stimmen der Kinder, und ein Junge mit einzigartig komödiantischem Talent übernimmt für den Großteil des Films die Erzählstimme. Wir betreten die Welt dieser Kinder und sehen sie lachen, einander veralbern, Fahrrad fahren, singen und Instrumente spielen. Die meisten von ihnen haben eine Leidenschaft für das Fotografieren. Ihre Affinität zu einer Wirklichkeit, die sie nicht sehen können, die aufzuzeichnen sie aber begierig sind, wird schon in der Eröffnungsszene des Films deutlich, in der zwei Teenager lernen, eine 16-mm-Filmkamera zu bedienen.

Janek und seine Frau Tonicka, die Schnittmeisterin des Films, drehen seit ihrer Rückkehr aus den USA nach Tschechien Mitte der 1990er Jahre Dokumentarfilme fürs Fernsehen. Dieser ist ein so zurückhaltendes wie kraftvolles Glanzstück; ein witziges, herzerwärmendes Porträt von Menschen in ihrer bescheidenen und anspruchslosen Existenz, die sich über das Sichtbare, so wie wir es kennen, hinaus erstreckt. The Unseen ist eine Feier des Lebens, in der hinreißende Kinder Zeugnis von ihrer grenzenlosen Kreativität und Daseinsfreude ablegen.

—Kamila Kuc, Autorin, Filmemacherin und Kuratorin

Gepostet in Öffentliches Fernsehen am 17.04.2017