Yves Laloy
(1920–1999)

Yves Laloy, Montez (uma), 1953, Öl auf Leinwand, Installationsansicht, Neue Galerie, Kassel, documenta 14, © Yves Laloy/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Mathias Völzke

Yves Laloys Malerei entzieht sich jeglicher Klassifizierung. André Breton war der erste, der sein Werk surrealistisch genannt hat, ein Etikett, das Laloy für eine unnötige Einschränkung hielt. Einen anderen Bezugspunkt seiner Kunst, den Breton in den Vordergrund stellte, nahm Laloy gerne auf: nämlich eine Analogie in der Ästhetik seiner Bilder zu den Sandmalereien der Navajo – ephemere Bildern, die von den spirituellen Oberhäuptern der Navajo ausschließlich als Teil der Nachgesang-Zeremonie geschaffen wurden. Breton argumentierte, dass „während eine Komposition von Kandinsky auf symphonische Zielsetzungen reagiert, setzt sich eine Sandmalerei der Navajo in erster Linie mit kosmogonischen Fragen auseinander und übt einen besänftigenden Einfluss auf den Lauf des Universums aus.“ Breton spricht Laloy die Fähigkeit zu, uns über das Sichtbare hinaus zu „blicken“ zu lassen. Gemälde wie Montez (Uma), das hier zu sehen ist, veranschaulichen die Auseinandersetzung des Künstlers mit indigener Kunst und spirituellen Praktiken der amerikanischen Kontinente. Ebenso sind sie bezeichnend für eine Zeit, in der zahlreiche Künstler_innen und Schriftsteller_innen in Westeuropa aktiv die Ästhetik von afrikanischen und amerikanischen Objekten appropriieren – oftmals ohne ein Verständnis für diese Gegenstände, das über ihre visuellen Qualitäten hinausgeht, die sie als Mittel zu dem Zweck einsetzen, eine wahrgenommene Leere in ihren eigenen Gesellschaften zu kompensieren, nämlich die Leere, die der Verlust der Zauberei, des Rituellen und des Heiligen hinterlassen hat. Ähnlich wie die Webereien von Marilou Schultz beschwört die Musterung dieser Gemälde die Ästhetik einer frühen digitalen Technik.

Gepostet in Öffentliche Ausstellung