Zainul Abedin
(1914–1976)

Zainul Abedin, Aus der Serie „Famine Sketches“, Installationsansicht, Neue Galerie, Kassel, documenta 14, Foto: Milan Soremski

Die Hungersnot in Bengalen 1943–44 kostete während des Zweiten Weltkriegs über drei Millionen Menschen im noch ungeteilten Indien das Leben. Die Subjekte der Kolonie unterstützten den Krieg im Westen, was eine Umleitung der Lebensmittelressourcen, eine wirtschaftlichen Schwächung aufgrund der kriegsbedingten Industrieproduktion und den Einsatz tausender einheimischer Soldaten unter den alliierten Truppen bedeutete.

Angesichts der drohenden japanischen Invasion Burmas setzte die britische Kolonialverwaltung auf eine Strategie der verbrannten Erde und eine Verweigerung des Bootsverkehrs, was zu einer massiven Hungersnot, Vertreibung, chronischen Erkrankungen und privatem Horten und Preistreiberei durch die Elite der Großgrundbesitzer in den bengalischen Provinzen führte. Die Katastrophe resultierte zwar aus der Politik des Empire, aber der Import von Getreide und ausländischer Hilfe wurde durch die feindselig eingestellte Regierung Winston Churchills noch weiter behindert.

Zainul Abedin gab seinen Posten als Lehrer an der Government School of Art in Kalkutta auf, um mit schnellen Pinselstrichen in seinen Hungerzeichnungen, welche nicht nur auf fesselnde Weise die erschreckend schnelle Verbreitung der Katastrophe und den strukturellen Zusammenhang zwischen Hunger und imperialer Gewalt greifbar machen, sondern neben den Arbeiten von Chittaprosad, Sunil Janah und anderen vom gemeinsamen Kampf der Avantgarde gegen die Kolonialregierung des indischen Subkontinents erzählt, ebenfalls die Schrecken der Hungersnot aufzuzeigen. Abedin arbeitete weiter als Kulturschaffender, Pädagoge und Aktivist in der Region, etablierte die künstlerische Ausbildung als Teil öffentlicher Edukation in Bangladesch (damals Ostpakistan) und war im Befreiungskrieg von Bangladesch tätig.

Gepostet in Öffentliche Ausstellung
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