Yannis Tsarouchis
(1910–1989)

Yannis Tsarouchis, Installationsansicht, Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA) – Pireos-Straße („Nikos-Kessanlis“-Ausstellungshalle), documenta 14, Foto: Yiannis Hadjiaslanis

Yannis Tsarouchis, Installationsansicht, Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA) – Pireos-Straße („Nikos-Kessanlis“-Ausstellungshalle), documenta 14, Foto: Yiannis Hadjiaslanis

Yannis Tsarouchis, Sammlung Yannis-Tsarouchis-Stiftung, Installationsansicht, Museum für Sepulkralkultur, Kassel, documenta 14, Foto: Liz Eve

Yannis Tsarouchis, Arbeiten zum Zeimbekiko-Tanz, Sammlung Yannis-Tsarouchis-Stiftung, Installationsansicht, Museum für Sepulkralkultur, Kassel, documenta 14, Foto: Liz Eve

Zeibekiko ist ein populärer Einzeltanz mit freier choreografischer Struktur, der sich im späten neunzehnten Jahrhundert in den urbanen Zentren Griechenlands entwickelt hat. Er wurde von Zeibekoi-Gemeinschaften entwickelt, einer Minorität trakisch-phrygischer Herkunft mit Wurzeln in Aidionion, Prousa, Smyrni (heute Izmir), und anderen zum Islam konvertierten Gegenden. Yannis Tsarouchis’ Szenen von Zeibekiko tanzenden Soldaten und Matrosen finden oft vor dem Hintergrund schwarz-weißer Keramikböden statt, die an populäre Tavernen erinnern oder eine häusliche Atmosphäre erzeugen, wie sie für vorstädtisches Leben typisch war. In diesen Szenen, die bewusst nicht im Atelier stattfinden, verfolgt Tsarouchis eine Vorstellung von Realismus und versucht, unseren Blick auf den nackten Körper zu verändern. Die Körper, die in Tsarouchis’ Arbeit gezeigt werden, erinnern an seine fortgesetzte Suche nach „Heiligkeit“ und sind beeinflusst von seiner späteren Forschung zu den Farbskalen buddhistischer Maler und in zentralasiatischen Fresken. Das Symbol des Heiligenscheins wiederum hat seine Ursprünge in hellenistischer, buddhistischer und christlicher Ikonografie. Diese Bilder sind zumeist aus dem Gedächtnis entstanden, während Tsarouchis sich in Villeneuve-les-Sablons, in den Vorstädten von Paris aufhielt, wo er sich physisch von seinem „Griechentum“ distanzierte, um es neu zu entdecken.

Gepostet in Öffentliche Ausstellung