Pauline Oliveros
(1932–2016)

Pauline Oliveros im Studio des San Francisco Tape Music Center mit modularen Synthesizern der Serie Buchla 100, 1966, courtesy of the Mills College Center for Contemporary Music Archive, Foto: David Bernstein

Jeder von uns ist Schöpfung und Schöpfer zugleich. Wir verfügen nicht nur über die Fähigkeit, unsere eigene Zukunft zu gestalten, wir können auch die Zukunft unserer Mitmenschen und der Gemeinschaften, in denen wir leben, mitgestalten.
— Maya Angelou

DIESER TAG/JENER TAG
1. Dezember 2016

Pauline:
An diesem Tag
Verrät
Ein doppelter Regenbogen über unserer Stadt Kingston
Dies geschieht wirklich
Alles ist so wirklich wie ein Regenbogen
Ein Zurschaustellen
Sein und Nichtsein erschaffen einander
So heißt es.
Ich werde zurückkehren und prüfen, ob all dies wirklich geschieht
Du wirst zurückkehren und prüfen, ob all dies wirklich geschieht

Pauline:
Uranus durchwandert deine Sterne
In deinem vierundachtzigsten Jahr kehrt er zurück.
Blickt mich mit Krähenaugen durch das Küchenfenster an
Unser Dachfenster öffnet sich Myriaden von Lichtern
Und 10.000 Interviewer fragen
nach deinem Prozess,
mehr als je zuvor.
Im Gespräch mit der BBC sagst du:
„Ja, es wird bisweilen feministisch interpretiert,
doch daran dachte ich nicht, als ich
Bye Bye Butterfly
schuf.
Ich war im Studio und wusste, ich wollte
eine Schallplatte verwenden.
So nahm ich wahllos eine
aus dem Regal.
Es war Madama Butterfly.“

Pauline:
Du bist hier!
Du bist nicht hier!
Ich weiß nicht, welcher Tag dies ist.
Die Tage stürzen zwischen den Räumen hindurch.
Erinnere dich zu erinnern
Wir werden dies überleben.

Pauline:
Eines Tages
Wir werfen exotische Brosamen empor und
spazieren den Rondout Creek entlang
Deine Worte treiben im Wind:
„Ich wählte
den Rosa Parks Day,
den 1. Dezember 1955,
weil …“

Pauline:
Du hast jenen Tag gewählt
Weil du dich
von der Wahrheit
angezogen fühlst
und von der äußersten Essenz
des Zuhörens
in tiefer Zeit.
Dem Herz
der Welt
zuhören.
An jenem Tag
weigerte sich Rosa Parks
ihren Sitzplatz aufzugeben.
In ihr war eine Kraft.
„Ich wollte frei sein …
damit auch andere frei sein konnten.“

Pauline:
Du bist frei und
reist
durch die Klänge der Großen Befreiung.
An welchem Ort auch immer,
die Komposition
ist Zuhören,
Erklingen,
Träumen.
Sein
und
Nichtsein.
Wählen
in jedem einzelnen
Augenblick,
bis das Zuhören aller
gehört wird
und alles, was du tust,
neu ist,
durch und durch.

— IONE

Gepostet in Öffentliche Ausstellung
Auszug aus dem documenta 14: Daybook
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